Rauchen in der Schwangerschaft könnte Kinder kriminell machen
Rauchen in der Schwangerschaft könnte Kinder kriminell machen

In einer Langzeitstudie der Harvard Universität untersuchten US-Forscher den Einfluss des Rauchens in der Schwangerschaft auf die Entwicklung der Kinder im Erwachsenenalter. Zwischen 1959 und 1966 fragten die Verantwortlichen die Mütter von 4.000 Männern und Frauen nach ihrem Tabakkonsum während der Schwangerschaft. Bei der Überprüfung der Vorstrafenregister der heute zwischen 33 und 40 Jahren alten Kinder fiel auf, dass diejenigen, deren Mütter während der Schwangerschaft mehr als eine Packung Zigaretten pro Tag geraucht hatten, mehr kriminelle Energie an den Tag legten als andere. Die Forscher bezifferten das erhöhte Risiko, kriminell zu werden, auf etwa 30 Prozent. Trotzdem konnten die Autoren der Studie den Zusammenhang zwischen rauchenden Müttern und kriminellen Nachkommen nach eigenen Angaben nicht zweifelsfrei nachweisen.

Negative Auswirkungen des Rauchens unbestritten

Dass Rauchen, ebenso wie Alkoholgenuss, während der Schwangerschaft schwere Auswirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung des Kindes hat, ist heute eindeutig belegt. Außerdem wird aufgrund verschiedener Studien vermutet, dass auch Hyperaktivität, eine kurze Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne sowie aggressives Verhalten der Kinder mit dem Tabakkonsum der Mutter während der Schwangerschaft in Zusammenhang stehen könnte.

Zweifel über Zusammenhang Rauchen und Kriminalität

Die internationale Nachrichtenagentur AFP berichtet allerdings von Einschränkungen der Forscher, die keinen zweifelsfreien Beweis für den Zusammenhang zwischen dem Rauchen in der Schwangerschaft und späterer Kriminalität der Kinder vorweisen können. Demnach schließen die Autoren der Studie lediglich auf einen geringen kausalen Zusammenhang. Aus der hohen Kriminalitätsrate, die sie aus den Vorstrafenregistern entnehmen konnten, leiten die Wissenschaftler das um 30 Prozent erhöhte Risiko ab. Andere kriminalitätsfördernde Faktoren wie Armut, psychische Krankheiten und familiäre Probleme wurden in der Studie berücksichtigt.

Hirnschäden durch Nikotin als Ursache

Die Ursache für die Neigung zu kriminellem Handeln vermuten die amerikanischen Forscher in vom Nikotin verursachten Schäden. Insbesondere die Neurotransmitter-Rezeptoren im sich entwickelnden Gehirn könnten beeinträchtigt werden. Tierversuche unterstützen diesen Erklärungsansatz. Außerdem würden kriminelle Wiederholungstäter zu neuropsychologischen Problemen neigen, was die These weiter stützt. Zu lesen ist die vollständige Studie im "Journal of Epidemiology and Community Health".
 

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