Raucherentwöhnung gelingt besser ohne Nikotinpflaster
Raucherentwöhnung gelingt besser ohne Nikotinpflaster

Rauchen ist zwar nicht mehr wirklich in, doch immer noch eine weit verbreitete Sucht. Ein Drittel der erwachsenen Deutschen greift regelmäßig zum Glimmstängel. Das sind stolze 16 Millionen Menschen, und unter den Jugendlichen liegt der Anteil der Raucher bei immerhin rund 20 Prozent. Australische Wissenschaftler von der Universität Sydney haben zahlreiche Studien aus dem englischsprachigen Raum ausgewertet. Dabei wurden 511 Studien aus den Jahren 2007 und 2008 analysiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Der größte Teil der Abhängigen vom Nikotin kommt ganz allein und ohne Hilfsmittel aus der Abhängigkeit heraus. Raucher haben entweder “auf den Punkt” ihre Zigaretten weggeworfen oder aber haben langsam ihren Konsum reduzieren können. Simon Chapman und seine Kollegen haben die Ergebnisse der umfangreichen Auswertungen in dem Fachjournal “PloS Medicine” veröffentlicht.

Leichter als gedacht

Die Ergebnisse lassen aufhorchen. Bis zu 75 Prozent der Raucher, die erfolgreich und dauerhaft ihre Abhängigkeit durchbrechen konnten, haben diesen Weg ohne irgendwelche Hilfsmittel, ohne Nikotinersatz oder psychologische Hilfe geschafft. Nach den Befragungen war die Entwöhnung gar nicht so problematisch, wie die Raucher sich das vorgestellt hatten. Das müssten Gesundheitsbehörden bei den immer wiederkehrenden Anti-Rauch-Kampagnen berücksichtigen, fordern die Wissenschaftler. Die Hinweise auf Nikotinmittel, auf die entsprechenden Pflaster und Kaugummis sind aus diesem Blickwinkel unnötig und sogar kontraproduktiv.

Verzerrte Werbung

Denn es besteht die Gefahr, dass Raucher sich selbst für zu schwach halten, ohne Hilfsmittel und nur aus eigenem Antrieb mit dem Rauchen aufhören zu können. In der Öffentlichkeit ist auch durch die Werbekampagnen der Eindruck entstanden, dass erfolgreiche Nikotinentwöhnung ohne Hilfsmittel kaum möglich ist. Dieses falsche Bild hat sich auch deshalb in den Köpfen festgesetzt, weil viele Studien, die sich mit der Raucherentwöhnung beschäftigen, von der Pharmaindustrie finanziert werden. Am Beispiel der Vereinigten Staaten von Amerika machen die Forscher deutlich, dass es monatlich dreimal so viele von der Industrie lancierte Informationen über das Thema gibt wie von der Regierung oder anderen Organisationen.

Unterstützte Studien

Bemerkenswerte und sehr aufschlussreiche Zahlen liefert auch eine Aufstellung von Studien, die sich mit der Erfolgsbilanz von Ersatzstoffen für Nikotin befassen. Bei den Untersuchungen, die von der Industrie finanziell unterstützt wurden, wurden die Tabakersatzstoffe zu 51 Prozent für den positiven Abschluss einer Raucherentwöhnung verantwortlich gemacht. Wurden entsprechende Untersuchungen nicht von der Industrie bezahlt, so lag der Prozentsatz nur bei circa 22 Prozent.

Neue Gefährdungen

Jenseits von allen Tabakersatzstoffen ist inzwischen wohl jedem Raucher bewusst, wie ungesund sein Nikotinkonsum ist und das es besser wäre, damit ein für allemal aufzuhören. Nun haben amerikanische Wissenschaftler von der Universität Berkeley im Bundesstaat Kalifornien neben dem aktiven und passiven Rauchen noch weitere Gefahren entdeckt. Durch das Rauchen entstehen höchst toxische Ablagerungen in Kleidern, Stoffen und auf anderen Oberflächen, die vor allen Dingen für kleine Kinder gefährlich werden können. Das Nikotin reagiert mit Bestandteilen der Atemluft. Daraus entstehen die “Nitrosamine”, von denen einige krebserregend sein können. Sie lösen sich nur langsam auf, lagern sich auch auf Kleidern und der Haut ab und können so in den Körper gelangen. Auf diesem Hintergrund bekommen die positiven und ermutigenden Studien zur Rauchentwöhnung einen hohen Stellenwert.