Regierung will keine zentrale Behörde zur Seuchenbekämpfung
Regierung will keine zentrale Behörde zur Seuchenbekämpfung

Die Forderung nach einer neuen zentralen Behörde sei eine ganz typische Diskussion für Deutschland. "Es ist nicht die Frage, ob es nur eine Behörde gibt, sondern es kommt auf die Zusammenarbeit der Behörden an", so Daniel Bahr. Es gebe keine Zweifel am guten Informationsaustausch zwischen Bund und Ländern. Wenn die Krise überstanden ist, wollen die zuständigen Minister Zusammenarbeit und Kooperation bewerten. Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) könnte sich durchaus vorstellen, dass bei Epidemien wie dem Ausbruch der Infektionen durch den EHEC-Erreger der Bund mehr Zuständigkeit bekommt. Doch eine zentrale Seuchenstelle lehnen die Gesundheits- und Verbraucherminister aus Bund und Ländern ab, wie nach einer Krisensitzung am gestrigen Mittwoch in Berlin klargestellt wurde. An dieser Sitzung nahm auch EU-Kommissar John Dalli teil.

EU-Kommissar lobt deutsche Behörden 

John Dalli will ebenfalls Lehren aus der Krise ziehen, wenn sie denn vorbei sei. Doch bereits jetzt bezeichnete er die Maßnahmen in Deutschland gegen die Infektionswelle als beeindruckend. Auch übte er keinerlei Kritik an den deutschen Behörden. In einem Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse" sagte er heute, dass man zunächst die Krise bewältigen müsse und erst danach über das Krisenmanagement streiten solle. Sein Eindruck sei, dass die deutschen Minister hart an der Überwindung der problematischen Situation arbeiten. Auch die Warnung vor den spanischen Gurken sei richtig gewesen.

Frühe Warnungen waren angemessen

"Die Behörden in Hamburg hatten gar keine andere Wahl", so Dalli. Sie sind in solchen Fällen zum Handeln verpflichtet. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) weist die Kritik an der frühen Warnung vor rohem Gemüse ebenfalls entschieden zurück. Es sei besser, einmal zu viel zu warnen als einmal zu wenig. Sein Ministerium hatte sehr früh den Verdacht gegen die Sprossen publik gemacht. Auch hält er es nicht für nötig. dass die Europäische Union (EU) sich mehr in die Bearbeitung der Krise einbringen soll. "Die EU war vor Beginn an involviert und kann nicht mehr tun, als auf Ergebnisse zu warten."

Angst vor EHEC weit verbreitet

Das tun auch die Verbraucher in Deutschland. Viele Menschen haben Angst und sich verunsichert. Man fragt sich, was man eigentlich noch essen darf und reagiert ängstlich auf jedes mögliche Symptom einer Ansteckung. Verständlich, aber auch realistisch? In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagte der Angstforscher Prof. Dr. Borwin Bandelow, dass neue Gefahren oft überschätzt werden. "Dann kriegen die Leute immer eine sehr starke Angst, die auch in keinem Verhältnis zu der tatsächlichen statistischen Häufung steht.

Gewöhnung an die gefährliche Situation 

Wenn man Gefahren kennt, so wird man sorglos. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Gefahren im Straßenverkehr interessieren kaum. “Gefahren, die vermeintlich als beherrschbar erscheinen, unterschätzen wir – die anderen überschätzen wir. Als Beispiel nennt der Angstforscher die Schweine- oder Vogelgrippe. Da sei es zu "panischen Überreaktionen" gekommen. Wenn die Ursache nicht bekannt ist, so sind Ängste verständlich. Man gewöhne sich aber oft an solche Situationen. "Nach vier Wochen reden die Leute nicht mehr davon, weil sich die Angst irgendwie gelegt hat. Das tritt dann in den Hintergrund und ist nur noch eine von vielen Gefahren."

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