Rösler: Organspende muss freiwillig bleiben
Rösler: Organspende muss freiwillig bleiben

In den Straßen vieler Großtädte sind Plakate angebracht, auf denen steht “Organspende rettet Leben” oder “Organe spenden, Leben schenken”. Noch immer ist Organspende ein sehr heikles Thema. Vor allem die postmortale Spende sorgt immer wieder für Diskussionen zwischen Medizinern und Ethikern. Die Bundesregierung überlegt in diesem Zusammenhang, wie die Menschen am besten über dieses Verfahren informiert werden können. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler äußerte in diesem Zusammenhang seine Überlegung, in Führerscheinstellen und Bürgerämtern für mehr Aufklärung zu sorgen. Demnach soll jeder Bürger, der sich seinen Führerschein oder seinen Personalausweis abholt, eine Broschüre mit ausführlichen Informationen erhalten. Rösler betont gleichzeitig, dass die Entscheidung zur Organspende allerdings immer freiwillig bleiben muss.

Entscheidung muss gut durchdacht sein

Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) stimmt mit dem Gesundheitsminister überein, dass die Organspende eine freiwillige Entscheidung sein sollte. Kauder hatte zunächst vorgeschlagen, dass jede Person, die sich einen Personalausweis ausstellen lässt, gleichzeitig entscheiden muss, ob sie nach dem Tod ihre Organe spenden möchte. Der Gesundheitsminister lehnte den Ansatz zur Organspende von Kauder allerdings ab, da eine solche Entscheidung gründlich durchdacht werden muss und nicht voreilig getroffen werden kann. Druck und Zwang seien bei einem so sensiblen Entschluss eher kontraproduktiv und schrecke die Menschen ab, ist sich Rösler sicher.

Beratung für Verwandte und Angehörige

Ein weiterer Vorschlag des Gesundheitsministers war die Einführung sogenannter “Transplantationsbeauftrager” in Krankenhäusern. Dabei handelt es sich um spezielles Personal, das sich zum einen gezielt mit dem Thema auseinandersetzt und zum anderen Patienten wie Angehörigen als Berater zur Seite steht. Ein großes Problem ist, dass die Verwandten einer Organspende anfangs eher positiv gegenüber stehen. Doch mit dem Tod des geliebten Menschen zögern die Angehörigen häufig vor der endgültigen Entscheidung zur Organspende.

Entschädigung für Lebendspender

Der Gesundheitsminister erwartet, dass in den nächsten Monaten ein Entwurf zu dieser Problematik vorliegt. Darin wird möglicherweise auch eine neue Regelung für die gesetzlichen Krankenkassen enthalten sein, die eine Entschädigung für Ausfälle von Lebendspendern vorsieht. “Niemand sollte in Schwierigkeiten geraten, weil er sich entscheidet, zu Lebzeiten ein Organ zu spenden”, hebt Rösler hervor.

Angespannte Lage in den Krankenhäusern

Umfragen zufolge seien 74 Prozent der Deutschen dazu bereit, Nieren, Lunge oder Herz zu spenden. Doch die Realität sieht deutlich anders aus. In den Krankenhäusern fehlen zahlreiche Spenderorgane. Die Situation hat sich sogar derart zugespitzt, dass nur noch schwerkranke Patienten ein Organ bekommen können. Damit verringert sich gleichzeitig die Aussicht auf gesundes Organ für weniger erkrankte Menschen. Noch in diesem Jahr sollen die Bedingungen für die Organspende überarbeitet werden.