Impfung
Narkolepsie-Verdachtsfälle bei Schweinegrippe-Impfung © panthermedia.net / Anna Leopolder

Allein in Europa haben sich über 30 Millionen Menschen gegen das Schweinegrippe-Virus H1N1 impfen lassen. Jetzt kommt ans Licht: Der zur Impfung verwendete Wirkstoff Pandemrix steht im Verdacht, dass er die seltene Schlafkrankheit Narkolepsie auslösen könnte.

Bundesweit 53 Verdachtsfälle

Aktuell sind in Deutschland 53 Verdachtsfälle registriert, bei denen der Impfstoff Pandemrix eventuell der Auslöser für die nicht zu heilende Schlafkrankheit Narkolepsie ist. Diese Informationen ergaben sich aufgrund einer Kleinen Anfrage (18/5734) durch die Linksfraktion an das Bundesgesundheitsministerium. Unter den 53 registrierten Verdachtsfällen befinden sich 27 Minderjährige. Im Durchschnitt traten die Symptome bei den Kindern mit der gesicherten Diagnose ungefähr 160 Tage nach der entsprechenden Impfung auf. Bei den Erwachsenen waren es 194 Tage.

Fast 31 Millionen Menschen wurden geimpft

Im Jahr 2009 löste das für die Schweinegrippe verantwortliche Virus H1N1 ausgehend von Mexiko eine weltweite Pandemie aus. Die deutschen Behörden empfahlen daher, sich durch eine Impfung gegen dieses Virus zu schützen. Inmitten der Grippewelle von 2009/2010 ließen sich in Europa fast 31 Millionen Menschen mit dem Impfstoff Pademrix gegen den Schweinegrippe-Virus impfen. Allerdings wurde damals die Gefährlichkeit dieser Art von Grippe nach Ansicht vieler Experten überschätzt.

In manchen Fällen hatte diese Impfung unerwartete Folgen, wie jetzt bekannt wurde. Parallel zu Pademrix gab es noch weitere Impfstoffe, diese stehen jedoch nicht in dem Verdacht die genannte Krankheit auszulösen. Kathrin Vogler von der Linksfraktion sagte dazu: „Es ist ein Skandal, dass viele Menschen, denen durch die Schweingrippeimpfung mit dem Wirkstoff Pandemrix schwerste Erkrankungen zugefügt wurden, immer noch keine Entschädigungszahlungen erhalten haben.“ Weitergehend verwies die Gesundheitsexpertin darauf, dass ein Entschädigungsanspruch für die Betroffenen bestehe, da die Impfung von den Behörden empfohlen wurde.

Deutschlandweit 4.000 Fälle von Narkolepsie

Im Volksmund wird Narkolepsie „die Schlafkrankheit“ genannt und tritt eher selten auf. Die neurologische Krankheit wird daher oft erst sehr spät diagnostiziert. Auch Kinder sind unter den Betroffenen. Der Selbsthilfeverein Narkolepsie Deutschland gibt an, dass in Deutschland etwa 4.000 Fälle von Narkolepsie diagnostiziert wurden. Zu den Symptomen zählen akut auftretende Müdigkeit und Schlafattacken sowie der überraschende Verlust der normalen Muskelspannung. Weitergehend kann es zu Halluzinationen kommen. Erkrankte sind erheblich in ihrem Privat- und Berufsleben eingeschränkt.