Schweinegrippe-Impfstoff soll genutzt werden
Schweinegrippe-Impfstoff soll genutzt werden

Man wollte den überzähligen Impfstoff eigentlich verkaufen. Doch das hat sich als recht schwierig erwiesen, denn niemand will ihn haben. Man kann nur dankbar sein, dass der Pharmahersteller Glaxo Smith Kline sich auf eine Reduzierung von ursprünglich bestellten 50 Millionen Impfdosen auf 34 Millionen Portionen eingelassen hat. Hätte er auf die Abnahme der 50 Millionen Impfdosen bestanden, dann gäbe es noch eine größere Anzahl dieser “Ladenhüter”. Dem Verkauf des Impfstoffes ist nun offensichtlich auch kein allzu großer Erfolg beschieden. Thomas Spieker, der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Niedersachsen, bestätigt das Scheitern der Verhandlungen mit dem Irak und Pakistan. Die Verkaufsgespräche seien an dem “Zahlungsunwillen” der potentiellen Käufer gescheitert. Die Impfdosen sind immerhin rund 230 Millionen Euro wert, und als Entwicklungshilfe waren sie nicht gedacht.

Wiederverwendung

Nun sollen viele der verbliebenen Impfdosen im nächsten Herbst verwendet werden. Die Seuchenbehörde der Europäischen Union (EU) hält es für ziemlich sicher, dass sich die H1/N1-Viren in der nächsten Grippesaison verstärkt bemerkbar machen werden. Der Impfstoff “Pandremix” braucht vermutlich eine weiter gefasste Zulassung der EU-Kommission. Das könnte dann Realität werden, wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Schweinegrippe “zurückstuft”. Experten rechen damit, dass die Schweinegrippe von einer Pandemie zu einer saisonalen Grippe deklariert wird. Alle gesammelten Daten und Zahlen sprechen dafür.

Kein Einbau

Die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts, Susanne Stöcker, weist aber alle Überlegungen für eine andere Verwendung des Impfstoffes zurück. “Pandremix kann nicht in den Impfstoff gegen die gewöhnliche Grippe eingebaut werden,“ macht sie deutlich. Der saisonale Impfstoff wird für die Grippesaison 2010/2011 grundsätzlich neu aufgebaut, und zwar aus drei verschiedenen Komponenten. Der fertige Impfstoff “Pandremix” kann nicht auf eine der drei Grundbestandteile reduziert werden.

Verantwortung

Was nun die Kosten angeht, so sehen einige Länder den Bund in der Verantwortung. Die Gesundheitsministerin in Thüringen verlangt von der Bundesregierung, zumindest einen Teil der Kosten für die Impfdosen zu übernehmen. Man habe die Länder zum Kauf des Impfstoffes in diesen großen Mengen förmlich gedrängt. Der Bund müsse deshalb die Verantwortung für Lagerung, Nutzung und Kosten für die zu viel georderten Impfdosen übernehmen. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur den Impfstoff, der tatsächlich verabreich wurde.

Keine Entwarnung

Doch Experten sind nach wie vor der Meinung, dass die Gefahr der Schweinegrippe noch nicht gebannt ist. Die höchste Pandemiestufe sechs ist immer noch aktiv. Die Sprecherin des Robert-Koch-Instituts, Susanne Glasmacher, ist davon überzeugt, dass die Schweinegrippe “sich nicht erledigt” hat. Obwohl im Moment entsprechende Meldungen aus den Medien verschwunden sind, glauben Fachleute am Europäischen Zentrum zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten (ECDC) an weitere Ausbrüche der Schweinegrippe. Man hält dort eine weitere Grippewelle für ziemlich unwahrscheinlich, aber kleinere Eruptionen des Virus sind nicht auszuschließen.

Perspektiven  

Es könnte nach Meinung der Fachleute durchaus sein, dass in der kommenden Grippezeit das Schweinegrippen-Virus wieder auftrumpfen wird. Doch einen Verlauf kann niemand vorhersagen. Ob das Virus mutiert und aggressiver und heftiger wird als im vergangenen Jahr, das kann kein Experte der Welt mit Sicherheit vorhersagen.