Schweinegrippe offenbar maßlos überschätzt
Schweinegrippe offenbar maßlos überschätzt

Es ist ruhig geworden um die Schweinegrippe. Noch im November letzten Jahres hatten sich bis zu 45.000 Menschen in einer Woche mit dem Virus der neuen Grippe angesteckt. Insgesamt wurden seit Frühjahr 2009 225.921 Fälle der Schweinegrippe  an das Robert-Koch-Institut gemeldet. 243 davon verliefen tödlich. Die Sterblichkeit liegt damit deutlich unter der der saisonalen Grippe, obwohl für letztere kaum genaue Zahlen vorliegen. Schätzungen gehen aber von mehreren tausend Todesfällen in jeder Grippesaison aus. Dass das A/H1N1-Virus längst nicht so verheerend gewütet hat wie ursprünglich befürchtet, veranlasst Experten  nun dazu, Pandemiepläne in der jetzigen Form in Frage zu stellen.

Neue Welle ab Herbst?

Das Robert-Koch-Institut hat bisher aber keine Entwarnung gegeben. Die Virologen weisen darauf hin, dass die weitere Entwicklung der Grippeaktivität nicht vorhersehbar sei. Denkbar ist eine weitere Welle, die ab Herbst über Deutschland rollen könnte. Typisch für die Verbreitung der Influenza sei nach Erfahrung der Biologen eine Ausbreitung in Wellen. Allerdings sprach der Mikrobiologe Alexander Kekulé gegenüber dpa davon, dass die Viren voraussichtlich nicht gefährlicher werden dürften.

Kekulé forderte, den Pandemieplan der WHO anzupassen. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass zwischen gefährlichen und ungefährlichen Erregern unterschieden werden müsse. Bei der Schweinegrippe ist trotz relativ geringer Gefahr, die vom Virus ausgeht, die höchste Pandemiestufe durch die Weltgesundheitsorganisation WHO ausgerufen worden. Dabei war allein die Geschwindigkeit, mit der sich das Virus auf dem Globus verbreitete, ausschlaggebend.

Mangelnde Impfbereitschaft

Während die Gesundheitsexperten der WHO die Gefahr der Schweinegrippe offenbar überschätzten, hat die Bevölkerung scheinbar den richtigen Instinkt gehabt. Deutlich weniger Menschen als erwartet ließen sich impfen. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, doch Schätzungen gehen von einer Quote von vier bis zehn Prozent der Bevölkerung aus. Allerdings hatten die Bundesländer 50 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix bestellt. Das sollte für rund 30 Prozent der Bevölkerung reichen.

Doch diese Kalkulation ging noch davon aus, dass zwei Impfungen nötig seien, um einen wirksamen Schutz herzustellen. Es stellte sich aber im Verlauf der Impfkampagne heraus, dass eine Dosis ausreicht, so dass deutlich weniger Impfstoff verbraucht wurde als geplant. Von den 50 Millionen bestellten Dosen müssen die Länder zwar nur noch 34 Millionen abnehmen. Dennoch wurden lediglich acht Millionen Impfeinheiten verbraucht.

Impfstoff ins Ausland

Teile des überschüssigen Impfstoffs gegen die Schweinegrippe sollen daher verkauft werden. Es gibt mehrere Interessenten, darunter Pakistan. Das niedersächsische Gesundheitsministerium leitet die Verhandlungen, gab jedoch bisher keine Details zum Verkauf bekannt. Seit einigen Wochen planen die Bundesländer, überschüssigen Impfstoff ins Ausland zu verkaufen. Solange die höchste Pandemiestufe der WHO nicht aufgehoben wird, muss außerdem eine bestimmte Menge des Impfstoffs bevorratet werden

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