Spanische Studie: Alzheimer bleibt oft unerkannt
Spanische Studie: Alzheimer bleibt oft unerkannt

Nicht nur im hohen Alter kann eine Alzheimer-Erkrankung auftreten. Vereinzelt ist dies auch schon in der Mitte des Lebens möglich. Solche frühen Erkrankungen (early-onset Alzheimer disease, EOAD) sind schwer zu diagnostizieren. Nicht nur, weil man bei Gedächtnisstörungen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren selten an Alzheimer denkt, sondern auch, weil die Erkrankung in diesem Alter häufig nicht primär mit Erinnerungsproblemen einhergeht. Deswegen werden viele Alzheimer-Erkrankungen nicht oder erst verspätet als solche erkannt. Anfängliche Fehldiagnosen sind nicht selten. Das berichten jetzt spanische Wissenschaftler der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Neurology“.

Durchschnittsalter der Verstorbenen bei 55 Jahren

Im Rahmen ihrer Studie hatten die Forscher die Diagnosen und Krankheitsverläufe von 40 Patienten ausgewertet, bei denen nach ihrem Tod durch Gewebeanalysen ein früher Morbus Alzheimer festgestellt werden konnte. Mit 55 Jahren lag das Durchschnittsalter der Verstorbenen relativ niedrig. Bereits seit elf Jahren hatten die Patienten im Schnitt mit der Krankheit gelebt. Die erste Alzheimer-Diagnose erfolgte jedoch durchschnittlich erst drei Jahre, nachdem die ersten klinischen Symptome aufgetreten waren.

Atypische Alzheimer-Symptome führen zu Fehldiagnosen

Die typischen episodischen Gedächtnisstörungen waren laut der Studie nur bei 25 der frühen Alzheimer-Patienten (63 Prozent) als erstes Anzeichen aufgetreten. Alle anderen Betroffenen hatten zu Beginn überhaupt keine Erinnerungslücken. Entsprechend unterschiedlich fielen die Diagnosen in den ausgewerteten Krankenakten aus. Während bei jenen Betroffenen mit Gedächtnisproblemen meist noch zu Lebzeiten eine entsprechende Alzheimer-Diagnose gestellt wurde, konnten die Ärzte nur bei knapp jedem zweiten (47 Prozent) der Patienten mit atypischen Symptomen die Erkrankung als solche feststellen. Zu den normabweichenden Anzeichen gehören zum Beispiel Verhaltens-, Sprach- oder Sehstörungen. Manche sind auch nicht mehr in der Lage, Aufgaben zu übernehmen oder sie zu Ende zu bringen.

Frühe Behandlung von Alzheimer sehr wichtig

Traten nur solche atypischen Symptome auf, hatten die Ärzte laut der spanischen Forscher erhebliche Schwierigkeiten, die Demenzerkrankung zu erkennen. Verschiedenste Diagnosen wie frontotemporale Degeneration, primär progressive Aphasie oder Depression wurden stattdessen gestellt. Die Alzheimer-Erkrankung wurde indes bei fast 50 Prozent der Betroffenen bis zu ihrem Tod nicht erkannt. Dabei ist eine frühe Diagnose besonders wichtig. Heilbar ist Alzheimer zwar noch nicht, aber durch entsprechende Therapien können einige Jahre für die Patienten gewonnen werden, in denen sie länger den Alltag allein bewältigen können.