SpongeBob kann bei Kindern Lernstörungen hervorrufen
SpongeBob kann bei Kindern Lernstörungen hervorrufen

Für ein entsprechendes Experiment wurden 60 vierjährige Kinder in drei Gruppen aufgeteilt. Während die erste Gruppe sich eine Folge von SpongeBob ansah, schaute sich die zweite Gruppe eine gleichlange Geschichte aus der Serie Caillou zu. Bei den Geschichten um den Schwammkopf dauerten die Sequenzen rund 11 Sekunden, in der ruhigen Caillou-Folge durchschnittlich 34 Sekunden. Die Kinder der dritten Gruppe durften ohne Fernseher mit Papier und Buntstiften Bilder malen. Danach sollten alle Kinder einige Tests durchführen. Sie setzen ein Puzzle zusammen, führten eine Geduldsübung und einen Gedächtnistest aus. Es stellte sich heraus, dass die SpongeBob-Gruppe nur halb so gut abschnitt wie die Kinder, die den ruhig verlaufenden Cartoon gesehen hatten. Sieger des Tests aber waren die Kinder ohne Fernsehkonsum, die nur Bilder gemalt hatten.

Kleine Kinder waren überfordert

Das Experiment wurde an der Universität von Seattle durchgeführt. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Pediatrics". Nach dem Fernsehkonsum waren die kleinen Kinder offensichtlich sehr viel schlechter in der Lage, Probleme und ihnen gestellte Aufgaben zu lösen. Die Zeitspanne, in der sie aufmerksam sein konnten, war danach stark eingeschränkt. Die Psychologen leiten daraus die Ansicht ab, dass Sendungen wie SpongeBob mit schnell wechselnden Bildern und Szenen die Gehirne kleiner Kinder einfach überfordern.

Fernsehen kann geistige Funktionen beeinträchtigen

Sowohl in den USA als auch in Deutschland sitzen die Kinder oft stundenlang vor dem Fernseher. Auch wenn die Studienergebnisse der neuen Studie sicherlich nicht repräsentativ sind, so geben sie doch zu Anlass zu kritischem Nachdenken. Dr. Dimitri Christakis vom Seattle Children’s Research Institute hat ein Vorwort zu der Studie verfasst. Er sagt ganz klar: "Keine Studie hat bisher gezeigt, dass das Fernsehen kleiner Kinder irgendeinen Nutzen bietet." Und Studienleiterin Dr. Angeline Lillard betont: "Wenn man bedenkt, wie beliebt einige der hektischen Cartoons bei kleinen Kindern sind, ist es wichtig, dass sich Eltern über die Möglichkeit bewusst sind, dass dies die exekutive Funktion in ihnen zumindest direkt nach dem Fernsehen verschlechtert."

Qualität und Quantität beeinflussen die Entwicklung

Diese exekutiven Funktionen befähigen den Menschen, sein Verhalten zu steuern, planvoll und zielgerichtet zu handeln. Viele Psychologen gehen inzwischen von einem Zusammenhang zwischen diesen Funktionen und dem Erfolg in der Schule und angemessenem sozialen Verhalten aus. Bisher wurde vorrangig auf die Quantität des Fernsehkonsums abgehoben. Doch nicht nur zu viel Fernsehen schadet der kindlichen Entwicklung. "Es spielt eine Rolle, was Kinder sehen und nicht nur, wie viel sie sehen", macht Dimitri Christakis deutlich. Das "Parken" der Kinder vor dem Bildschirm kann die kognitive Entwicklung der Kinder beeinträchtigen.

Weitere Untersuchungen müssen folgen

Der Fernsehsender Nickelodeon hat bereits auf die Studie reagiert. David Bittler, der Sprecher des Kindersenders, kritisierte das Experiment aus den USA. Er hält die Methoden der Wissenschaftler "fragwürdig". Gültige Schlüsse seien aus den Ergebnissen nicht zu ziehen. Außerdem: "SpongeBob richtet sich an Kinder zwischen sechs und elf Jahren, nicht an Vierjährige." Auch die Wissenschaftler legen bei den Ergebnissen der Studie Zurückhaltung an den Tag. Konkrete Schlüsse sollten noch nicht gezogen werden, weil die Zahl der teilnehmenden Kinder zu klein gewesen sei. Auch sollte SpongeBob nicht allein genannt werden, weil ähnliche Sendungen zu den gleichen Problemen bei den Kindern führen. Trotzdem sagt Psychologie-Professorin Angeline Lillard: "Ich würde nicht dazu raten, solche Sendungen auf dem Weg zur Schule anzuschauen oder zu einer Zeit, zu der sie sich konzentrieren und lernen sollen."