Allergie
Allergien: Verbreitetes Problem (c) Bildagentur PantherMedia / Frank Coenders

Die alte Weisheit ‚Landkinder sind gesünder‘ lässt sich nicht mehr in das Reich der Mythen verbannen, denn inzwischen haben Forscher diese Volksweisheit bestätigt. In Versuchen mit Mäusen konnten die Forscher nachweisen, dass diese kaum auf allergene Reizstoffe reagierten, wenn sie zuvor täglich Bakterien- und Staubpartikeln ausgesetzt waren.

Die Forscher nehmen vor allem an, dass das Immunsystem der auf dem Lande oder mit Haustieren aufwachsenden Kinder besser trainiert wird als das von Kindern, die in einer hygienisch einwandfreien Umgebung aufwachsen. Es zeigte sich auch, dass einige Mikroben, die bei Kühen vorkommen, die Allergieneigung stark mildern. Die Stallluft ist ein bunter Mix aus ungewöhnlichen Substanzen, darunter beispielsweise Endotoxine, bei denen es sich um Reste der Zellmembran von Bakterien handelt, die unter anderem über die Schleimhäute aufgenommen werden.

Endotoxine impfen das Immunsystem

Diese Erkenntnisse gewannen die beiden Forscher Erika von Mutius von der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität und Martijn Schuijs der Genter Universität in Belgien. Dafür verabreichten sie einer Versuchsgruppe Mäusen 14 Tage lang eine niedrige Dosis an Endotoxinen. Eine Kontrollgruppe bekam im gleichen Zeitraum ein Placebo. Nach Ablauf der Behandlung wurden beide Versuchstiergruppen Staubmilben ausgesetzt. Staubmilben lösen bei einigen Menschen allergische Reaktionen aus. Als Ergebnis notierte die Forschergruppe, dass die mit Endotoxinen behandelten Tiere keinerlei allergische Reaktionen und Symptome aufgrund der Staubmilben zeigten. Jedoch sollen einige Mäuse aus der Kontrollgruppe allergische Reaktionen auf die Staubmilben gezeigt haben. Ein vergleichbares Ergebnis bekam die Forschergruppe, wenn sie statt der Staubmilben der Luft Staub von einem Bauernhof zusetzte.

Staub stärkt das Immunsystem

Die Forscher gingen im nächsten Schritt ihrer Versuche daran, ihre Ergebnisse an menschlichem Gewebe zu testen. Sie nutzten für ihre Versuche Zellkulturen, die aus dem Lungengewebe von Asthma-Patienten und gesunden Versuchspersonen bestanden, und verabreichten ihnen Endotoxine. Es zeigte sich, dass die Gewebeproben der unbelasteten Testpersonen weniger der typischen Entzündungsmoleküle, die bei Allergien auftreten, enthielten. Zudem fanden sie bei diesen eine höhere Menge des Enzyms A20 als bei den Gewebeproben der Asthmatiker. Dieses Enzym soll eine wichtige Schutzfunktion haben.

Zuviel Hygiene schwächt das Immunsystem

Obgleich viele Eltern sich für ihr Kind das Beste wünschen und es gern in einer hygienisch einwandfreien Umgebung aufwachsen sehen, scheint dies nachteilig für die Entwicklung des Immunsystems des Kindes zu sein. Wie sich anhand von neuen Studien zeigt, neigen Kinder, die in einer ihr Immunsystem beanspruchenden Umgebung aufwachsen, viel seltener zu Allergien jeglicher Art. Ursache hierfür ist die ‚gute Landluft‘, die viele Bakterien, Mikroben und ähnlichen Krankheitskeime enthält.