Sterbehilfe: Medizinexperten fordern Gesetzesänderung
Sterbehilfe: Medizinexperten fordern Gesetzesänderung

Grundsätzlich sollen sowohl die Beihilfe zum Suizid als auch die Tötung auf Verlangen nach dem Entwurf, der von einem Palliativmediziner, 2 Medizinethikern und einem Medizinrechtler erstellt wurde, unter Strafe stehen. Die Ausnahme soll lediglich für Angehörige beziehungsweise nahestehende Personen und Mediziner bestehen, und auch nur für schwerkranke Patienten ohne Heilungsmöglichkeiten gelten. Ältere Menschen, die gesund sind, sollen ausgenommen sein, da hier oft psychische Ursachen wie Altersdepressionen den Selbsttötungswunsch auslösen. Bei psychischen Erkrankungen soll die Beihilfe zum Suizid generell nicht möglich sein.

Strenge Regelungen gefordert

Ähnlich wie schon bei Organspenden sollen die Regeln für Sterbehilfefälle sehr streng sein. So sollen mindestens zwei Ärzte in den Prozess einbezogen sein, der Sterbewillige muss freiverantwortlich den Sterbewunsch äußern und umfassend aufgeklärt werden. Zudem soll der Patient anschließend eine zehntägige Bedenkzeit bekommen. Die Medizinexperten sind der Ansicht, dass die Suizidzahlen durch die vorhergehenden Beratungsgespräche eher verringert werden. So hätten sich im US-Bundesstaat Washington, wo es Regelungen zur Beihilfe zum Suizid gibt, 65 Prozent der Betroffenen nach einem Beratungsgespräch gegen den Suizid entschieden. Zusätzlich hätte von den restlichen 35 Prozent ein Drittel die Rezepte für die verschriebenen Medikamente zur Selbsttötung nicht genutzt, wie die taz die Mediziner zitiert.

Kritik vom Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verband

Der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband e.V. sieht Sterbehilfe kritisch. So heißt es in den Leitlinien: "Diese lebensbejahende Grundidee schließt die Tötung auf Verlangen und Beihilfe zur Selbsttötung aus." In einer Stellungnahme vom 21.2. dieses Jahres zur Diskussion über ein Verbot gewerblicher und organisierter Formen der Beihilfe zum Suizid bekräftigt der Verband diese Einstellung. Werbemaßnahmen zur Beihilfe zum Suizid sollen aber auch laut Gesetzesvorschlag der Palliativmediziner verboten bleiben.

Auch der Chef der Bundesärztekammer, Frank Ullrich Montgomery, äußerte sich in der Frankfurter Rundschau kritisch: "Die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung ist keine ärztliche Aufgabe". Der Bundestag will demnächst über Neuregelungen zur Sterbehilfe beraten, bislang ist die große Koalition zu keiner einheitlichen Position gelangt.

Unabhängig von entsprechenden Debatten übernehmen verschiedene Institutionen in Deutschland seit vielen Jahren die verantwortungsvolle Aufgabe, schwer kranke Menschen sowie ihre Angehörigen zu beraten, zu begleiten und zu unterstützen. Einen kleinen Einblick in diese Arbeit gewährt beispielsweise der AWW Hospiz Berlin e.V. im Rahmen eines kurzen Videos zur ambulanten Sterbebegleitung.   

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