Sterbehilfe-Prozess: Angeklagte Ärztin begeht Selbstmord
Sterbehilfe-Prozess: Angeklagte Ärztin begeht Selbstmord

Sie war eine Ärztin, die für Diskussionen sorgte. Mechthild B. hatte zahlreiche Anhänger, aber auch genauso viele Kritiker. Als Vertreterin der ganzheitlichen Medizin war für sie die Qualität des Lebens ihrer Patienten sehr viel wichtiger als seine Dauer. Doch über ihre umstrittenen Ansichten und Behandlungsmethoden wurde schon seit mehreren Jahren vor Gericht diskutiert. Als sich jedoch die Vorwürfe wegen 13-fachen Totschlags verhärteten, sah sich die Internistin dem Druck nicht mehr gewachsen. Immer wieder hatte sie versucht, die schweren Anschuldigungen gegen sich zu entkräften und war anscheinend der Überzeugung, auf dem richtigen Weg zu sein. Doch in einer Zwischenbilanz in der vergangenen Woche am Landgericht Hannover kam dann der Schock. Die Richter erklärten, dass in zwei Fällen die Beweise sogar auf Mord deuten. Der Gedanke an eine lebenslange Haft hat der 61-Jährigen offenbar so zugesetzt, dass sie keine anderen Ausweg mehr sah, als sich das Leben zu nehmen.

Tod durch Überdosis

In den Jahren 2002 und 2003 wurde die Krebsärztin angeklagt, insgesamt 13 Menschen durch zu hohe Dosen Morphium und Valium getötet zu haben. Bei einem Großteil der untersuchten Todesfälle gehe man davon aus, “dass die Patienten nicht eines natürlichen Todes gestorben sind”, so der Kammervorsitzende Wolfgang Rosenbusch. Doch für viele Menschen, die zuvor bereits aufgegeben wurden, war Mechthild B. die letzte Hoffnung. Eine Anhängerin sieht darin auch den Grund, weshalb so viele bei ihr verstorben sind.

Hinweise für Mord verdichten sich

Der Verteidiger Matthias Waldraff betont allerdings, dass der Suizid seiner Mandantin kein Schuldeingeständnis ist. “Ein Leben im Gefängnis, ein Leben ohne ihre Patienten ist für Frau B. kein Leben”,  versucht der Anwalt die Verzweiflung der Angeklagten zu erklären. Doch jetzt verdichten sich vor allem die Hinweise für die Mordvorwürfe. Zwei ihrer Patienten seien sogar bei klarem Bewusstsein gewesen. Der Kammervorsitzende erklärt, dass die Patienten nichts von der Verabreichung der tödlichen Medikamente gewusst hätten.

Verfahren wurde eingestellt

Die Angeklagte hatte während der 50 Prozesstage immer wieder ausgesagt, niemals lebensverkürzende Maßnahmen durchgeführt zu haben. Gleichzeitig hatte sie immer wieder betont, dass jeder Mensch seinen letzten Lebensabschnitt ohne Angst und mit Würde erleben sollte. Am 7. Februar sollte der Prozess fortgeführt werden. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage hätten an diesem Prozesstag zu der Zwischenbilanz der Richter Stellung nehmen sollen. Das Verfahren wird aber nun durch den Tod der Angeklagten eingestellt.