Stress am Arbeitsplatz verursacht das Burnout-Syndrom
Stress am Arbeitsplatz verursacht das Burnout-Syndrom

Die Menschen müssen immer größere Belastungen und Anforderungen meistern. Arbeitszeiten und Arbeitstempo steigen, der Stress nimmt zu. Die internationalen Verflechtungen in einer globalisierten Arbeitswelt verlangen ständige Aufmerksamkeit und maximale Leistung. Allgemein gesagt sind die Belastungen der Arbeitnehmer insgesamt angestiegen. Dazu kommt oft die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. So mancher fühlt sich krank, ausgebrannt und überfordert. Weil man das aber nicht zugeben will, dreht sich die Spitale der Überforderung ständig weiter. Natürlich hat das Phänomen Burnout auch eine individuelle Komponente. Nicht jeder Mensch reagiert gleich. Die Fähigkeit zum adäquaten Umgang mit Stress ist unterschiedlich verteilt, und so mancher stößt dann auch viel früher an seine Grenzen als andere. Es kann deshalb nicht verwundern, wenn die Krankenkassen einen starken Anstieg der psychischen Störungen verzeichnen. Arbeitnehmer werden vorrangig wegen Depressionen und Symptomen von Überlastung krankgeschrieben.

Gewerkschaftsstudie belegt Ausbreitung psychischer Störungen   

Die IG Metall hat sich nun für das Problem Burnout interessiert und Ihre Betriebsräte zu diesem Thema befragt. Mehr als 3.800 dieser Betriebsräte haben ihre Erfahrungen, Zahlen und Meinungen dargestellt. Das Ergebnis kann niemanden ernsthaft verwundern. 40 Prozent der Befragten bestätigten die starke Zunahme psychischer Erkrankungen. 86 Prozent der Firmen in der Elektro- und Metallbranche betrachten diese Tatsache als gravierendes Problem. Hans-Jürgen Urban ist geschäftsführendes Mitglied des IG-Metall-Vorstandes. Er fasst die Ergebnisse der Umfrage zusammen: "Psychische Erkrankungen entwickeln  sich zu der Epidemie in der modernen Arbeitswelt."

Soziale und wirtschaftliche Zeitbombe   

Bei der Vorstellung der Studie in Berlin forderte die IG-Metall eine gesetzliche Regelung, die Arbeitnehmer vor allzu starkem Stress am Arbeitsplatz schützen soll. Eine derartiges Gesetz kommt nach Meinung der Gewerkschaft nicht nur den Arbeitnehmern zugute. Die gesamte Gesellschaft sei involviert, weil psychische Erkrankungen die ökonomische Situation der Gesellschaft insgesamt gefährden. "Hier tickt nichts Geringeres als eine gesellschaftliche Zeitbombe", macht Hans-Jürgen Urban klar. Er legte Zahlen aus verschiedenen Quellen vor. Nach Angaben der Krankenkassen hat jede zehnte Erkrankung psychische Ursachen. Jährlich belaufen sich die Behandlungskosten für psychische Erkrankungen auf rund 27 Milliarden Euro. Daraus resultieren wiederum Produktionsausfälle in Höhe von 26 Milliarden Euro.

Forderung nach gesetzlichem Schutz 

Hilfen für die gefährdeten Arbeitnehmer gibt es so gut wie gar nicht. Betrachtet man die Ausmaße von Stress und Burnout, so kann man durchaus von Fahrlässigkeit reden, wenn die Probleme weiterhin vernachlässigt oder kleingeredet werden. Deshalb fordert die IG-Metall eine Anti-Stress-Verordnung. Ein solches Gesetz könne ähnlich aussehen wie beispielsweise die Verordnungen zum Lärmschutz. Gemeinsam mit Arbeitnehmern und Arbeitgebern könnte die Politik Pläne ausarbeiten, wie die Menschen vor gesundheitlichen Schäden durch übermäßigen Stress und Leistungsdruck geschützt werden können. In Ländern wie Frankreich, Italien oder Schweden gibt es bereits solche Verordnungen zum Schutz der Arbeitnehmer.

Schlechte Arbeitsbedingungen sind verantwortlich 

Die Umfrage der Gewerkschaft ist sicher eine Momentaufnahme, doch die Ergebnisse unterstützen die Erfahrungen der Krankenkassen. Für IG-Metall-Vorstand Urban sind vor allem die heutigen Arbeitsbedingungen schuld an der Misere. Burnout ist für ihn "das Ende einer Spirale aus ständiger Überlastung, aus immer neuen Arbeitsanforderungen und permanentem Zeitdruck". Die Unternehmen haben ausschließlich ihre Gewinnmaximierung im Visier. Daraus resultieren prekäre Beschäftigung, geringe Löhne und keine Sicherheit bei den Arbeitszeiten. "Hier muss endlich gegengesteuert werden", fordert Urban.

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