Stress in der Schwangerschaft fördert Sucht der Kinder
Stress in der Schwangerschaft fördert Sucht der Kinder

Das Forscherteam um Ana Joao Rodrigues und Nuno Sousa versuchte, bei trächtigen Rattenweibchen Stresssituationen zu simulieren. Dazu wurden den Tieren Stresshormone oder Glukokortikoide injiziert. Der Nachwuchs der so behandelten Ratten wies gravierende Veränderungen des Gehirns auf. Das verblüffende Ergebnis der Untersuchungen war, dass die Anomalien große Ähnlichkeit mit den veränderten Gehirnstrukturen von Drogensüchtigen aufwiesen. Die Rattenkinder waren auch sehr viel anfälliger für Suchtstoffe wie Alkohol oder Opiate. Die Vermutung liegt nahe, dass dieser Mechanismus auch beim Menschen greifen könnte. In dem wissenschaftlichen Fachmagazin "Molecular Psychiatry" schrieben die Forscher, dass die Kinder von Müttern mit erhöhten Stress in der Schwangerschaft durchaus von dieser Belastung in Mitleidenschaft gezogen werden können. Die gravierende Folge solcher Strapazen könnte eine stärkere Suchtanfälligkeit des Nachwuchses sein.

Sucht der Ratten konnte geheilt werden

Die Auswirkungen der injizierten Stresshormone auf das Gehirn der Nager konnte aber nachträglich wieder zurückgeschraubt werden. Nach den Angaben der portugiesischen Wissenschaftler von der Universität Minho wurde den Ratten der Neurotransmitter Dopamin verabreicht. Durch die Gabe des „Glückshormons“ könnten die Anomalien im Gehirn rückgängig gemacht werden. Auch die stark erhöhte Bereitschaft zum Konsum von Suchtstoffen war danach nicht mehr zu beobachten.

Neuer Ansatz zur Suchttherapie 

"Das ist eine erstaunliches Ergebnis, weil es darauf schließen lässt, dass mit einem relativ einfachen pharmakologischen Ansatz, der Wiederherstellung des Dopamin Niveaus, man eventuell in der Lage ist, die Drogensucht zu behandeln", erklärt Rodrigues. Doch ein anderer Aspekt ist für die Forscherin noch bedeutsamer. Man könnte mit dieser recht einfachen Methode einer Suchtgefahr bei anfälligen Menschen begegnen und vorbeugen. Doch von gesicherten Erkenntnissen kann man noch nicht ausgehen. Die portugiesischen Wissenschaftler sagen auch ganz klar, dass noch ein weiter Weg zurückgelegt werden muss, bis die "Heilung" der Sucht durch Dopamin tatsächlich als Therapie eingesetzt werden kann. Es besteht dringender Bedarf nach weiteren Forschungen. 

Bisherige Tests blieben erfolglos

Entsprechende Versuche haben aber bereits stattgefunden. So sind nach Angaben der Wissenschaftler Kokainabhängige behandelt worden. Aber der Erfolg blieb weitgehend aus. Die Forscher vermuten, dass die Misserfolge entweder auf die Höhe der Dosis oder aber auf die Dauer der Dopamintherapie zurückzuführen sind. Bei den Tierversuchen sei Ähnliches beobachtet worden. Nach einer dreitägigen Behandlung der Ratten wären sie nach drei Wochen "rückfällig" geworden. Wenn die Behandlung allerdings über drei Wochen durchgeführt wurde, wären die Tiere nicht mehr in ihr Suchtverhalten zurückgefallen.

Langzeitstudie in Kanada 

Es sei an der Zeit, dass man neue Ansätze zu Therapie von Drogenabhängigen entwickelt, meinen die Forscher. Aktuell gibt es eine große Studie in Kanada mit dem Namen "Project Ice Storm". Im Winter des Jahres 1998 gab es in Quebec einen zum Teil wochenlangen Stromausfall durch einen Eissturm. Schwangere Frauen waren damals großen Belastungen ausgesetzt. Die Entwicklung ihrer Kinder wird von Wissenschaftlern begleitet und untersucht, um die Auswirkungen von vorgeburtlichem Stress herauszufinden. Bei den Kindern, die heute 13 Jahre alt sind, seien bereits Gehirnanomalien festgestellt worden. Bei der weiteren Begleitung der Kinder wird sich sicherlich ein möglicher Zusammenhang zwischen Stresssituation und Suchtverhalten herausstellen.

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