Studenten nehmen Pillen gegen Stress in der Uni
Studenten nehmen Pillen gegen Stress in der Uni

Laut eines Berichtes der Techniker Krankenkasse (TK) nehmen immer mehr Studenten Psychopharmaka ein, vor allem in den letzten vier Jahren sei ein rapider Anstieg der Verschreibungen deutlich: Die TK bestätigt einen Anstieg um 54 Prozent. Für den Gesundheitsreport der TK wurden 135.000 Daten eigenständig versicherter Studenten ausgewertet: Psychopharmaka und andere Nervenmedikamente machen laut aktuellen Angaben mehr als ein Fünftel aller verordneten Arzneimittel aus. Experten erklären, dass im Jahr 2010 jeder Studierende rund 13 Tage lang Medikamente einnahm, die die Psyche und Stimmung des Menschen beeinflussen. Im Vergleich zu Studierenden nahmen Beschäftigte deutlich weniger Nervepräparate ein.

Viele Akademiker leiden an Depression

Laut Ergebnissen vom Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsforschung in Hannover (ISEG) nehmen rund fünf Prozent der Studentinnen und drei Prozent der Studenten Nervenmedikamente gegen Depressionen ein. Außerdem leide fast jede zehnte Akademikerin an einer Depression. Im Jahr 2010 sei bei fast 30 Prozent der Studentinnen und bei mehr als jedem achten Studenten eine mehr oder weniger starke psychische Störung diagnostiziert worden.

Stress im Studium kann zu Depressionen führen

Der TK-Vorsitzende Norbert Klusen vermutet, dass die neuen Reformen der akademischen Ausbildung die Studenten belasten: Die Einführung der neuen Studienabschlüsse und das Zahlen von Studiengebühren erhöhe den Druck, das Studium so schnell wie möglich beenden zu müssen. Der Psychologe Heiko Schulz spricht außerdem die Verkürzung der Studienzeiten an: Der Karrieredruck verstärke sich immer mehr und die Studenten hätten weniger Freiräume, ihr privates Leben zu gestalten und einen Ausgleich zum Studium zu finden. Auch wenn Studien keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem neuen Studiensystem und dem Gebrauch von Psychopharmaka bestätigen, stellen Gesundheitsexperten fest, dass der Druck im Studium für viele Studenten zu hoch ist.

Das Studiensystem soll überdacht werden

Psychologen betonen, dass der Karrieredruck immer größer wird: In der kurzen Regelstudienzeit sollen Studenten neben Prüfungen und Hausarbeiten noch Praktika machen und Auslandserfahrung sammeln und ehrenamtliches Engagement wäre auch wünschenswert. Schulz spricht sich gegen den Druck im Studium aus: Die Politik solle sich dafür einsetzen, dass die Reformen überdacht werden. Die Universitäten sollen mehr Tutoren-Programme anbieten, um die Studierenden zu unterstützen. Außerdem bieten Krankenkassen Kurse zur Stressbewältigung an, die überforderte Studenten wahrnehmen könnten.