Studie: Frühere Diagnose von Autismus bei Kleinkindern
Studie: Frühere Diagnose von Autismus bei Kleinkindern

Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die sowohl den betroffenen Kindern als auch ihren Eltern viele Probleme bereitet. Eine entscheidende Rolle dabei spielt vor allem die häufig verspätete Diagnose. Die angeborene Erkrankung entwickelt sich nämlich erst zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr. Meist bemerken die Eltern dann sehr schnell, dass mit ihrem Kind etwas nicht in Ordnung ist und dass es sich anders verhält als andere Kinder. Allerdings folgt dann meist eine Reihe von Arztbesuchen und falschen Diagnosen, bis schließlich Autismus festgestellt wird. Schuld daran sind die breit gefächerten Symptome, die diese Erkrankung aufweist. Während einige Kinder unter Wahrnehmungs- und Sprachstörungen leiden, haben andere Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion oder weisen sogar Aggressionen gegenüber anderen auf. Der bisherige Stand der Wissenschaft ermöglicht, Autismus im Alter ab zwei Jahren festzustellen. Wissenschaftler des Birkbeck College in London haben jetzt in der Fachzeitschrift „Current Biology“ eine Studie veröffentlicht, die eine frühzeitige Diagnose bereits ab einem Alter von sechs Monaten ermöglichen könnte.

Risiko bei erkrankten Geschwistern erhöht

Das internationale Forscherteam untersuchte dafür 104 Babys und Kleinkinder im Alter zwischen sechs und zehn Monaten. Die Wissenschaftler stuften etwa die Hälfte der Kinder als Risikogruppe ein, da sie ältere Geschwister haben, bei denen bereits Autismus diagnostiziert wurde. Die andere Hälfte hingegen wurde mit einem geringeren Risiko eingestuft.

Vermeidung von direktem Augenkontakt

Die Forscher orientierten sich für ihr Experiment an der Tatsache, dass ältere Kinder mit Autismus den direkten Blickkontakt zu anderen Menschen meiden. Sie zeigten den kleinen Probanden daher Bilder mit Gesichtern, die sie direkt anschauten oder wegschauten. Mithilfe der Messung der Gehirnströme erhofften sich die Wissenschaftler genauere Ergebnisse. Der Verdacht sollte sich bestätigen: Während die Kinder mit geringem Risiko in der Regel eine starke Hirnaktivität aufwiesen, waren die Messungen der Kinder mit erhöhtem Risiko meist wesentlich schwächer ausgeprägt.

Weitere Studien erforderlich

Der Studienleiter Prof. Mark Johnson sieht das Resultat der Untersuchung mit Skepsis und betont, dass die Studie nicht genügend Aussagekraft besitze. Den Ergebnissen zufolge wären einige Kinder später an Autismus erkrankt, die sich jedoch vollkommen normal entwickelt haben. Dennoch sieht er das Experiment als einen Einstieg für weitere Studien, die in näherer Zukunft eine frühere Identifizierung von Autismus ermöglichen sollen.

Zahl der Autisten steigt stetig

Sowohl für die Wissenschaft als auch für die Betroffenen wäre ein Testverfahren, mit dem sich die Erkrankung früher erkennen ließe, ein großer Fortschritt. Auch wenn Autismus nicht heilbar ist, könnte zumindest früher mit einer Therapie angesetzt werden, um die Beschwerden für die Betroffenen und ihre Angehörigen zu verringern. Die Ursachen für die Erkrankung sind hingegen weitestgehend unbekannt. Experten vermuten, dass Autismus durch Umweltgifte, Impfzusätze aber auch genetische Faktoren ausgelöst werden könnte. Das amerikanische „Center for Disease Control“ (CDC) bestätigte zwischen 2002 und 2006 einen Anstieg von 57 Prozent.