Studie: Grippeimpfung bietet Schutz gegen Herzinfarkt
Studie: Grippeimpfung bietet Schutz gegen Herzinfarkt

Jedes Jahr wird ein neuer Impfstoff entwickelt, der gegen die Viren der saisonalen Grippewelle in der kalten Jahreszeit schützen soll. Vor allem Risikogruppen wie Menschen über 60 Jahre, Kinder, chronisch Kranke sowie Herz-Kreislauf-Patienten und neuerdings auch Schwangere sollten den Gang zum Arzt nicht scheuen und einer möglichen Erkrankung vorbeugen, da das Infektionsrisiko bei ihnen höher ist als bei Menschen mit stabilem Immunsystem. Nun wurden im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie in Großbritannien Daten von fünf Prozent englischer und walisischer Hausarztpatienten gesammelt und ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Grippeimpfung nicht nur vor einer schweren Lungenentzündung schützt, sondern auch einem Herzinfarkt vorbeugen kann.

Herzinfarktrisiko sinkt um ein Fünftel

Die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts ist im Winter wesentlich höher als im Sommer, da der Blutdruck durch die niedrigen Temperaturen ansteigt. Des Weiteren wurde von den Wissenschaftlern der Universität Lincoln ein Zusammenhang mit Atemwegsinfektionen vermutet. In diesem Rahmen führten sie ihre Studie durch, um zu überprüfen, ob die Grippeschutzimpfung auch einem Herzinfarkt vorbeugt und untersuchten dafür etwa 78.000 Hausarztpatienten im Alter über 40 Jahren in England und Wales. Dabei wurde berücksichtigt, wer vorher schon einmal einen Herzinfarkt erlitten hatte und wer nicht. Zwischen November 2001 und Mai 2007 waren es 16.012 der Probanden. 8.472 davon waren bereits gegen die Grippe geimpft.

Frühe Impfung besser

Die Forscher um den Wissenschaftler Niroshan Siriwardena der Universität Lincoln berechneten, dass das Herzinfarkrisiko durch eine Impfung um insgesamt 19 Prozent sinken kann. Empfehlenswert ist es, sich frühstmöglich, am besten zwischen September und November, impfen zu lassen, da dann das Risiko sogar um 21 Prozent sinke. Bei einer späteren Impfung liegt der Wert nur noch bei zwölf Prozent. Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler fest, dass eine Pneumokokken-Impfung, die gegen die Erreger einer Lungenentzündung wirkt, keinen Einfluss auf das Herzinfarkt-Risiko eines Menschen hat.

Kritik: Nur bei gefährdeten Menschen erfolgreich

Doch schon jetzt werden kritische Stimmen laut. Prof. Hans-Jürgen Becker von der Deutschen Herzstiftung beispielsweise sieht das Ergebnis eher weniger euphorisch. Er halte wenig davon, die Grippeimpfung als Vorbeugung gegen einen Herzinfarkt zu nutzen. Er ist der Meinung, dass vor allem bereits Herzinfarkt-gefährdete  Menschen davon profitieren würden, da sie durch die Vermeidung einer Impfung nicht weiter geschwächt würden. Er halte es für sehr unwahrscheinlich, dass auch gesunde Menschen Nutzen daraus ziehen könnten.

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