Studie: Kinder erhalten oft überdosierte Medikamente
Studie: Kinder erhalten oft überdosierte Medikamente

Eine Untersuchung in Australien von 53 Müttern, 7 Vätern und 37 Angestellten von Kindertagesstätten ergab, dass die Verantwortlichen ihren beaufsichtigten Kindern bei leichteren Erkältungen mit Beschwerden wie Husten, Schnupfen und leichtem Fieber oftmals zu hohe Dosierungen von freiverkäuflichen Medikamenten verabreicht hätten. Zudem seien nicht nur Fehlentscheidungen bei der Dosierung aufgetreten, sondern auch bei der richtigen Vergabe der Art der Medikamente selbst. Dieses erschreckende Ergebnis der Studie wurde kürzlich auf der Jahreskonferenz des Internationalen Pharmaverbands (FIP) in Lissabon vorgestellt. Die Verfasser der Studie halten Australien dabei für keinen Einzelfall, was die falsche Verabreichung von Medikamenten durch Eltern betrifft. International sei das Problem der Überdosierung von verschreibungsfreien Medikamenten an Kinder ebenfalls präsent.

Bedenkliches Ergebnis der Studie

Für die Studie befragten Forscher 97 Eltern und Betreuer von Kindern, mit welcher Dosierung sie rezeptfreie Medikamente bei kleineren Erkältungen an Kinder verabreichen würden. Dabei wurden den Studienteilnehmern verschiedene Situationen vorgestellt, in denen sie über Art und Höhe der Medikation im Krankheitsfall entscheiden sollten. Das Ergebnis ist eine oft bedenkliche überdosierte Selbstmedikation durch die Verantwortlichen. Zu viele der Eltern und Betreuer schätzten laut Rebekah Moles, Leiterin der Untersuchung, die Gefahr von verschreibungsfreien Medikamenten bei Kindern als zu gering ein. Rund die Hälfte der Teilnehmer hätte zu 44 Prozent eine zu hohe Dosierung verabreicht, belegte die Studie. Nur zwei Drittel hätten eine richtige Medikation mit entsprechender Dosis veranlasst.

Falsche Verabreichung von Medikamenten

Nicht nur die falsche Dosierung der Arzneien sei der Studie zufolge mangelhaft gewesen. Auch die Verabreichung der richtigen Medikamente führte bei den Teilnehmern zu Fehlentscheidungen. Beispielsweise hätten 55 Prozent bei einer Körpertemperatur des Kindes von unter 38 Grad ein Mittel gegeben. Dabei brachten 15 Prozent die Temperatur des Kindes erst gar nicht in Erfahrung und hätten gleich ein Medikament verabreicht. Ganze 61 Prozent hätten sich sogar für ein Schmerz- und Fiebermittel entschieden, obwohl das Kind lediglich Beschwerden wie Husten und Schnupfen aufwies. Studienleiterin Rebekah Moles wies diesbezüglich auf den Irrglauben hin, dass verschreibungsfreie Arzneien ungefährlicher als rezeptpflichtige Medikamente seien.

Häufige Fälle der Überdosierung in Notrufstellen bekannt

Zu der Studie gab die Giftnotrufstelle des Bundesstaates New South Wales in Australien bekannt, dass sich im Jahr 2008 jeder zweite Anruf aufgrund einer versehentlich überdosierten Medikamentenverabreichung an Kinder erfolgte. Die meisten der betroffenen Kinder waren noch unter fünf Jahre alt. Mediziner beurteilen die australische Studie nicht nur als regional relevant, da kritische Medikamente weltweit existieren. Experten warnen Eltern und Kinderbetreuer daher davor, die Gefahr rezeptfreier Medikamente zu unterschätzen. Besondere Achtsamkeit ist bei der Verabreichung und Dosierung von diesen Arzneien bei Kindern geboten.

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