Studie: Minutenschnelle Diagnostik durch neuartiges Mini-Labor
Studie: Minutenschnelle Diagnostik durch neuartiges Mini-Labor

Forscher aus den USA haben möglicherweise einen Weg gefunden, Blutuntersuchungen künftig minutenschnell, billig und zuverlässig zu gestalten. Wissenschaftler um Curtis Chin von der Columbia University in New York haben in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen “Claros Diagnostics” ein neues Chip-Labor vorgestellt, welches offenbar imstande ist, zehn verschiedene Krankheiten mit einer knapp hundertprozentigen Treffsicherheit zu diagnostieren. Schon wenige Bluttropfen würden ausreichen, um etwa eine HIV-Infektion oder eine Syphiliserkrankung nachweisen zu können. Für ihre Studie testeten Chin und seine Kollegen Prototypen des sogenannten “mChips” an Patienten im Muhima-Krankenhaus in Ruandas Hauptstadt Kigali. Das Gerät soll aufgrund seiner günstigen und schnellen Diagnosemöglichkeiten in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen und so die teureren Blutanalysen in einem Labor ersetzen. Nachzulesen sind die Studienergebnisse im Fachmagazin “Nature Medicine”.

Vereinfachte Diagnose durch neues Mini-Labor

Nach Angaben des Technologie-Chefs von Claros Diagnostics, Vincent Linder, bestehe das Mini-Labor lediglich aus einem Mikrochip in einer Kunststoffhülle. Der Chip kann den Angaben zufolge eine einzige Blutprobe auf bis zu zehn Krankheiten untersuchen. Das Ergebnis werde dann ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest über einen Teststreifen angezeigt. Dazu ist beim “mChip” ein Handlesegerät notwendig, das laut den Wissenschaftlern so einfach zu bedienen sei wie ein gewöhnliches Mobiltelefon.

Gleiche Genauigkeit wie bei Laboranalysen

Der Chip im Kreditkartenformat soll Blutuntersuchungen künftig erheblich beschleunigen und eine ähnliche Trefferquote erzielen wie in üblichen Laboruntersuchungen. Bei HIV-Tests habe das Mini-Labor lediglich in einem von 70 Fällen falsch gelegen. Das sei eine ähnliche Quote wie beim Verfahren im Labor, so die Forscher weiter. Auf diese Weise könnten Mediziner in Zukunft zahlreiche Diagnosetests anbieten, ohne dass die Patienten dafür “zum Blutabnehmen ins Krankenhaus gehen und dann tagelang auf ihr Ergebnis warten müssen”, erklärte Samuel Sia, der den Chip zusammen mit der Firma Claros Diagnostics entwickelt hat.

Breite Anwendung in Entwicklungsländern geplant

Zwar kann der Chip selbst nur einmal benutzt werden, wäre aber mit geschätzten Produktionskosten von einem Dollar (rund 70 Cent) deutlich günstiger als eine Blutuntersuchung im Labor. Das gesamte Set inklusive Lesegerät wird auf knapp 70 Euro veranschlagt. Die Forscher hoffen, dass das Minilabor etwa für HIV-Tests bei Schwangeren in Afrika breite Anwendung finden könnte.

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