Studie: Nur wenige Patienten kennen ihre Rechte
Studie: Nur wenige Patienten kennen ihre Rechte

Wie der 17. Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung zu erkennen gibt, ist nur eine Minderheit der Deutschen gut über ihre Patientenrechte informiert. Für die aktuelle Studie befragte die Stiftung im Frühjahr 2010 insgesamt 1.789 Bürger im Alter von 18 bis 79 Jahren zu ihren Kenntnissen über die Patientenrechte. Dabei gaben weniger als 22 Prozent der Befragten an, sich "gut" oder "sehr gut" mit den Rechten auszukennnen. Die Mehrheit der Teilnehmer war zwar über das Recht der freien Arztwahl oder der Aufklärungspflicht des Arztes informiert, jedoch kannte sich nur ein geringer Teil mit weiteren wichtigen Gesetzen aus. Die Experten der Bertelsmann Stiftung warnen davor, dass der Behandlungsverlauf von Patienten beeinträchtigt werden könnte, weil diese durch ihr Unwissen wichtige Rechte nicht in Anspruch nehmen würden. Die Stiftung spricht sich daher für ein einheitliches Patientenrechtsgesetz aus, in welchem alle wichtigen Gesetze allgemeinverständlich gebündelt sind.  

Mehrheit schätzt Kenntnisse befriedigend ein

Für den aktuellen Gesundheitsmonitor sollten die Patienten zunächst einschätzen, wie sie ihre Kenntnisse über die Patientenrechte bewerten. Dabei antworteten nur 22 Prozent mit "gut" oder "sehr gut"”. 50 Prozent, und somit die Mehrheit der Befragten, hielten ihr Wissen in diesem Bereich jedoch nur für "befriedigend". Bei näherer Betrachtung zeigte sich, dass vorwiegend Personen mit höheren Bildungsabschlüssen, Tätige im Gesundheitswesen, privat Versicherte sowie Befragte über 60 Jahre ihre Kenntnisse über die Patientenrechte positiv einschätzten. 

Nur 39 Prozent sehr gut informiert 

Zusätzlich wurden den Teilnehmern teilweise wahre und falsche Patientenrechte vorgelegt, zu denen sie angeben sollten, ob diese tatsächlich existieren. Ein Großteil der Befragten schnitt dabei eher schlecht ab. Während mehr als 90 Prozent erkannten, dass sie tatsächlich ein Recht auf freie Arztwahl besitzen und der Arzt zu einer umfassenden Aufklärung verpflichtet ist, war nur die Minderheit über weitere wichtige Patientenrechte richtig informiert. 23 Prozent der Teilnehmer gehen davon aus, dass ihr Arzt ihnen auf bestimmte Fragen die Unwahrheit sagt. 41 Prozent denken, sie oder ein Bevollmächtigter könnte von einem Arzt bei unheilbaren Erkrankungen eine gezielte Lebensverkürzung verlangen. Zudem würden 63 Prozent bei einem Arztwechsel die Herausgabe von Originalunterlagen verlangen, was in der Realität jedoch nicht möglich wäre. Insgesamt haben nur 39 Prozent aller Befragten alle existierenden Patientenrechte zutreffend erkannt.

Einheitliches Patientenrechtsgesetz gefordert

Laut Bertelsmann Stiftung könnte das Unwissen der Patienten im Einzelfall fatale Folgen haben. Die Unsicherheiten führten dazu, dass der Patient wichtige Rechte nicht in Anspruch nehme, so Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Im Extremfall könne dies den Behandlungsprozess beeinflussen und zu sozialen wie gesundheitlichen Nachteilen führen. Ein Teil der Unwissenheit könne mit Sicherheit darauf zurückgeführt werden, dass die Patientenrechte auf mehrere Rechtsbereiche verstreut seien. Für die Patienten sei daher eine einheitliche und verständliche Rechtsgrundlage notwendig. Nur so könnte sich die Mehrheit der Bevölkerung künftig rechssicher fühlen und verhalten, so die Bertelsmann Stiftung.