Studie: Sehr lange Wartezeiten für eine Psychotherapie
Studie: Sehr lange Wartezeiten für eine Psychotherapie

Jedes Jahr erkrankt etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland an einer psychischen Störung. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Menschen einen Psychotherapeuten aufsuchen. Für eine Therapie gibt es jedoch momentan Wartezeiten von bis zu zweieinhalb Monaten, dies berichtet eine Studie des Lehrstuhls für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen. Diese wurden von der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) beauftragt, etwa 2.500 ambulante Psychotherapeuten in Deutschland zu befragen. Im Vordergrund der Befragungen standen die Wartezeiten und die Patientenstruktur. Eine angebrachte Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz wären drei Wochen, berichtet der Vorsitzende der DPtV Dieter Best. Bei akuten Erkrankungen sei sogar eine sofortige Behandlung notwendig.

Unterschiede zwischen kleinen und großen Städten

Die Studie stellte heraus, dass etwa die Hälfte der deutschen Psychotherapeuten Wartelisten für ihre Patienten führen. Die durchschnittliche Wartezeit für eine Psychotherapie in den Kleinstädten beträgt 104 Tage. In den Großstädten liegt diese bei 62 Tagen. Nicht nur Menschen in ländlichen Regionen müssen länger warten, sondern auch für ältere Menschen und Männer gibt es zu wenige Plätze für eine ambulante Psychotherapie.

Patientenstruktur der Psychotherapeuten

Vor allem Menschen im Alter zwischen 41 und 50 Jahren suchen einen Psychotherapeuten auf. Etwa auf 27 Prozent der Frauen und auf 29 Prozent der Männer trifft dies zu. Ganz im Gegensatz dazu stehen Menschen höheren Alters. So suchen nur bis zu fünf Prozent der Menschen zwischen 60 und 90 Jahren einen Psychotherapeuten auf. Der Schulabschluss der Menschen ist dabei größtenteils unwichtig. So haben mit 32 Prozent die meisten eine Mittlere Reife. 26 Prozent haben Abitur und 20 Prozent einen Hauptschulabschluss. Etwa 19 Prozent der Patienten haben sogar einen Hochschulabschluss.

Gründe für eine Psychotherapie

52 Prozent der Patienten der Psychotherapeuten wurden von einem Arzt dorthin überwiesen. Viele Menschen wählen jedoch auch aus eigenem Antrieb eine Psychotherapie. Manchmal raten auch Familienangehörige oder Freunde dazu. Der Bundesvorsitzende der DPtV Best fordert, dass Psychotherapeuten dazu befugt sein sollen, Krankschreibungen oder Krankenhauseinweisungen zu erteilen, gerade weil viele Menschen ohne ärztliche Überweisung in die Therapie kommen. Dies dürfen bisher nur Ärzte tun.