Suche nach Ursachen der EHEC-Infektionen bisher erfolglos
Suche nach Ursachen der EHEC-Infektionen bisher erfolglos

Experten und Wissenschaftler suchen unter Hochdruck nach der Quelle des Übels. Inzwischen betrifft die Welle der Ansteckungen nicht mehr nur den Norden der Republik, sondern auch in Hessen, Berlin und Nordrhein-Westfalen breitet sich das Bakterium weiter aus. Doch genaue Angaben sind noch nicht möglich. Dr. Susanne Huggett ist die ärztliche Leiterin des Großlabors Medilys der Asklepios Kliniken. Sie gibt zu bedenken, dass die Diagnostik im Labor rund 36 Stunden in Anspruch nimmt. "Deshalb gibt es gegenwärtig viele Verdachtsfälle, aber noch kein verlässliches Bild der tatsächlichen Gesamtlage." Man habe bei der Untersuchung der Proben feststellen können, dass man es mit einem Bakterienstamm zu tun habe, der gegen einige Antibiotika Resistenzen entwickelt habe. Solche Stämme der EHEC-Keime sind bisher unbekannt gewesen.

Unterschiedliche Ausprägungen der Erkrankung 

Die Auswirkungen einer Infektion mit dem Darmkeim sind sehr unterschiedlich. Es ist möglich, dass eine solche Infektion völlig ohne Beschwerden abläuft und gar nicht erkannt wird. Die meisten Erkrankungen sind durch eher harmlose und leichtere Erscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen gekennzeichnet. Fieber setzt eher selten ein. Doch die jetzt grassierenden Infektionen sind entschieden gefährlicher. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie erklärt die Gefahr: Das Bakterium verbreitet im menschlichen Körper ein Gift, das die roten Blutkörperchen abbaut. Daraus können Blutarmut und auch Nierenversagen resultieren. Man spricht von dem HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom.

Frankfurter Kantine geschlossen 

Man schätzt, dass die Welle der Infektionen ihren Anfang um den 10. Mai genommen hat. Zehn Tage später wurde die Öffentlichkeit von den Behörden informiert. Seitdem hat sich die Zahl der Infektionen ständig erhöht. Aktuell spricht man von ungefähr 300 Fällen. Vorrangig treten die Infektionen in Großstädten auf. In Frankfurt sollen die meisten der Erkrankten um den 10. Mai herum erkrankt sein. Eine große Anzahl der Betroffenen sind bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers beschäftigt. Am Standort der Firma im Frankfurter Messeturm haben die Behörden prophylaktisch zwei Kantinen geschlossen. Doch die Fälle sind nicht regional begrenzt, so dass nach Ansicht der Ämter eher ein Händler in Betracht kommt, der verunreinigte Lebensmittel im Angebot hatte.

EHEC Infektionen müssen schnell behandelt werden 

Nach bisherigen Erkenntnissen und Befragungen der Infizierten scheiden Fleisch und Rohmilch als Verursacher aus. Der Fokus liegt noch immer auf Gemüse, auf Obst und Salat. Die Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI), Susanne Glasmacher, macht aber deutlich, dass es auch andere Lebensmittel sein können. Es gibt bisher keine Sicherheit über die Ursache der Infektionen, man arbeite mit Hochdruck an der Aufklärung. Gesichert ist bisher nur, dass die Infektionszahlen weiter ansteigen, auch das schwerwiegende HUS tritt bedenklich oft auf. Die Betroffenen müssen schnell mit einer Blutwäsche behandelt werden. Geschieht das rechtzeitig, so können weitere Organschäden, Hirnödeme und bleibende Nierenschädigungen verhindert werden.

Weiter Hygiene angesagt 

Bis die Ursache gefunden ist, bleibt zur Vermeidung von Ansteckungen nur eine konsequente und strenge Hygiene. Rohes Obst und Gemüse muss gründlich gesäubert werden, nach Möglichkeit sollte nur gekochtes Gemüse verzehrt werden. Fleisch sollte nicht roh gegessen und Milch abgekocht werden. Alle Gerätschaften in der Küche müssen sehr gründlich gesäubert werden. Weil der Erreger auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann, ist häufiges Händewaschen wieder einmal im Mittelpunkt des Interesses. Mit guter Hygiene kann auch dieser Übertragungsweg ausgeschlossen werden.

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