Trauer erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt
Trauer erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt

Dass Trauer durchaus körperliche Auswirkungen haben kann und in vielen Fällen auch hat, ist sicherlich keine Neuigkeit. Kopf- und Magenschmerzen oder Übelkeit kennt wahrscheinlich jeder Trauernde als Begleiterscheinungen. Doch Forscher der Harvard School of Public Health und der Harvard Medical School in Boston haben noch weitaus gravierende Folgen feststellen können. Durch den Todesfall und die Trauer über das Geschehen kann das Risiko für einen Herzinfarkt in dieser Zeit deutlich ansteigen. Die Wissenschaftler um Studienleiterin Elizabeth Mostofsky fanden heraus, dass das Risiko am Tag des Todes eines nahen Angehörigen oder Freundes um den Faktor 21 höher war als an "normalen" Tagen. In den folgenden Wochen musste das Infarktrisiko immerhin noch sechs Mal höher angesetzt werden als der allgemein gültige Wert. Erst im Lauf eines Monats konnten die Forscher einen Rückgang der Werte feststellen.

Befragung von Patienten nach persönlichem Umfeld   

Die Ergebnisse der Studie wurden im „Circulation Journal of the American Heart Association“ veröffentlicht. Es wurden ungefähr 2.000 Patienten untersucht, die in den Jahren von 1989 bis 1994 einen Herzinfarkt erleiden mussten. Sie wurden ausführlich nach ihren Lebensumständen befragt. Auch die Frage nach Todesfällen im Familien- oder Freundeskreis gehörte zu den Erhebungen in den ersten Tagen nach dem Infarkt. Aktuell werden solche Fragen nicht gestellt, wenn der Arzt die Krankheitsgeschichte bei einem Herzinfarkt ermittelt.

Hoher Blutdruck kann Infarkt auslösen 

Doch Trauer könnte ein wichtiges Ereignis sein, das einen Infarkt auslösen kann. Denn nach dem Ergebnis der Befragungen waren Trauerfälle nicht selten. 270 der knapp 2.000 Patienten hatten in den sechs Monaten vor dem Infarkt einen nahestehenden Menschen verloren. Bei 19 Patienten hatte ein solch belastender Todesfall sogar in den vorangegangenen 24 Stunden stattgefunden. Die erhobenen Zahlen weisen darauf hin, dass plötzliche Trauer die Gefahr eines Herzinfarktes ähnlich erhöht wie Kälte oder heftige und plötzliche körperliche Anstrengung. Die Gründe für das so stark ansteigende Infarktrisiko sehen die Forscher im erhöhten Blutdruck, der mit derartigen Lebenslagen einhergeht. Auch nimmt die Konzentration der Stresshormone im Blut zu, die Blutgerinnung wird stärker.

Trauerfall greift in Lebensabläufe ein   

Doch es ist nicht nur die Trauer selbst, die zu einem so gravierenden Vorfall führen kann. Der gesamte Lebensablauf, die "Rahmenbedingungen" können gestört sein. So muss der mit einem Todesfall verbundene allgemeine Stress bewältigt werden. Es ist nicht selten, dass die Hinterbliebenen mit Schlaf- oder Essstörungen zu kämpfen haben. Auch können sowohl der Missbrauch von Medikamenten als auch die vernachlässigte Einnahme notwendiger Arzneimittel zu einem erhöhten gesundheitlichen Risiko beitragen. Allgemein kann die vernachlässigte Gesundheit eines Hinterbliebenen zu einem Infarkt führen. 

Hilfe für Trauernde durch aktives Verständnis   

Auf diesem Hintergrund bekommt das Phänomen des "gebrochenen Herzens" nach dem Tod eines geliebten Menschen eine durchaus reale Bedeutung. Das Herz kann durch einen schmerzlichen Todesfall in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Forscher machen in ihrem wissenschaftlichen Beitrag auch deutlich, dass es Möglichkeiten zur Minimierung des Risikos gibt. Durch Zuwendung und Unterstützung ihrer Freunde und Verwandten kann Trauernden geholfen werden. Der Kummer um einen verstorbenen Menschen kann durch die Hilfe des persönlichen Umfeldes zumindest abgeschwächt, besser verarbeitet und damit die Gesundheit stabilisiert werden.