Volkskrankheit Diabetes breitet sich weiter aus
Volkskrankheit Diabetes breitet sich weiter aus

Am vergangenen Freitag war der Auftakt zum 6. Weltkongress zur Prävention des Diabetes in Dresden. Aktuell leiden rund 8,9 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes vom Typ 2. Doch haben nach Schätzungen ungefähr vier Millionen Deutsche noch gar nicht bemerkt, dass sie erkrankt sind. Die Experten rechnen damit, dass in zehn Jahren bereits 14 Millionen vom Diabetes Typ 2 betroffen sein werden. Die nicht diagnostizierten Fälle könnten bis zu diesem Zeitpunkt auf sechs Millionen angewachsen sein. Wenn der Ausbreitung des Diabetes kein Riegel vorgeschoben wird, so könnte das die Möglichkeiten des Gesundheitssystems sprengen. Die Krankheit ist deshalb so gefährlich, weil es eine große Anzahl an Folgekrankheiten gibt. Bluthochdruck, Depressionen, Demenz, Augenschäden, Nierenversagen und unumgängliche Amputationen sind nur einige der Auswirkungen.

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Das sind natürlich vorrangig gravierende Vorgänge für die Betroffenen. Doch auch das Gesundheitssystem leidet, weil diese Folgekrankheiten kaum noch neu finanzieren sind. Um die Volkskrankheit in den Griff zu bekommen, fordert Professor Peter Schwarz ein nationales Diabetes-Register. Andere Länder wie beispielsweise Finnland hätten gute Erfahrungen damit gemacht. Mit diesem Hilfsmittel könnte die Behandlung qualitativ verbessert werden, und gleichzeitig werden auf diesem Weg die Kosten gesenkt. Mit einem solchen Register könnte auch die Häufigkeit von Folgeerkrankungen festgestellt werden. Bisher ist es zum Beispiel nur eine Annahme, dass der Diabetes für 70 Prozent aller Herzinfarkte verantwortlich ist.

Probelauf

Doch nicht nur für Ärzte, Forscher und das Gesundheitssystem wäre ein solches Register sehr von Vorteil. Vor allem die Patienten könnten davon profitieren. “ Die Betroffenen könnten zudem besser informiert, beraten, befragt und über ihre Rechte aufgeklärt werden,” so das Resümee des Professors vom Universitätsklinikum in Dresden. Das würde die Patienten befähigen, ihre Behandlung besser zu beurteilen und mitreden zu können. Seit ungefähr fünf Wochen hat das Bundesland Sachsen ein Register eingerichtet, in das sich Diabetes-Patienten eintragen lassen können.

Vorbeugung

Für Professor Schwarz hat ein Register nur Vorteile. “Das ist wie eine Koalition von Patienten-Vertretern und Wissenschaft.” Es wäre auf diesem Weg durchaus möglich, schnell und unkompliziert die Meinung der Patienten über gesundheitspolitische Maßnahmen festzustellen. Über ein solches Register hinaus hält Professor Schwarz ein weitgefächertes Präventionsprogramm für opportun, und zwar sowohl national als auch europaweit. Das sei schon deshalb wichtig, weil bis zu 37 Prozent der Bevölkerung durch genetische Konstellationen zu Übergewicht tendieren. Das wiederum bedingt auch ein erhöhtes Risiko einer Erkrankung an Diabetes.

Erfolgreiche Prävention

“Die Krankheit breitet sich weltweit aus wie eine Epidemie,“ warnt Schwarz. Dabei sind in vielen Fällen Mittel zur Vorbeugung einzusetzen, die nicht einmal besonders kostspielig sind. Ein Beispiel: In Zusammenarbeit mit den Krankenkassen sind in Sachsen entsprechende Fragebögen an die Versicherten ausgegeben worden. Durch diese Aktion sind über 4000 Fälle ermittelt worden, bei denen das Risiko einer Diabetes-Erkrankung besteht. Mit speziell ausgerichteten Programmen konnte bei der Hälfte dieser Fälle der Ausbruch der Krankheit verhindert werden.