Weniger Abtreibungen 2009: Niedrigster Stand seit 1996
Weniger Abtreibungen 2009: Niedrigster Stand seit 1996

Im Jahr 2009 haben sich 110.694 Frauen für einen Abbruch der Schwangerschaft entschieden. Das teilte das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden mit. Damit sank die Zahl der Abtreibungen in Deutschland zum fünften Mal in Folge und hat nun den niedrigsten Stand seit 1996 erreicht. Noch 2008 verzeichneten die Statistiker 114.484 Schwangerschaftsabbrüche. Damit beträgt der Rückgang im Jahr 2009 3.790 Fälle bzw. rund 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten Frauen, die sich im vergangenen Jahr für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt. Nahezu alle Abtreibungen wurden nach der Schwangerschaftsberatungsregelung vorgenommen.

Schwangerschaftsberatung

Im Jahre 1996 wurde die Neuregelung des Abtreibungsrechts beschlossen. Seitdem gibt es die obligatorische Schwangerschaftsberatung. Seit der Novellierung des §218 ist die Zahl der Abtreibungen bis 2001 stagniert oder sogar deutlich gestiegen. Erst seit 2002 ist ein deutlicher Abwärtstrend bei den Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland zu verzeichnen. 1996 waren es noch 130.899 Abtreibungen.

Insgesamt wurden nach Angaben der Statistiker 97 Prozent der Abtreibungen im Jahr 2009 nach der Beratungsregelung vorgenommen. Bei den übrigen drei Prozent lagen andere Gründe für eine Beendigung der Schwangerschaft vor. Dies können entweder medizinische oder auch kriminologische Gründe sein. Eine kriminologische Indikation lag allerdings nur in 14 Fällen vor, rund 3.200 Abtreibungen wurden aus medizinischen Gründen durchgeführt.

Niedrigste Quote seit 10 Jahren

Auch die Quote der Abtreibungen in Deutschland ist erneut auf ein neues Rekordtief gefallen: Auf 10.000 Frauen entfielen 70 (2008: 72) Abtreibungen. Die höchste Abtreibungsquote war mit 111 Fällen je 10.000 Frauen in der Altersgruppe zwischen 20 und 25 Jahren zu beobachten. Dennoch war auch hier ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Allein in der Gruppe der 30- bis 35-Jährigen stieg die Quote von 2008 zu 2009 leicht an (von 89 auf 90 Fälle je 10.000 Frauen).

399 Fälle bei unter 15-Jährigen

Die Zahl der Schwangerschaften in der Gruppe der unter 18-Jährigen nimmt einen Anteil von vier Prozent ein. Dies entspricht 4.909 Abtreibungen bundesweit. Davon entfallen gut 400 Schwangerschaftsabbrüche auf Mädchen unter 15 Jahren. Allerdings ist der Rückgang in der Gruppe der unter 18-Jährigen mit rund acht Prozent überdurchschnittlich. Im Vergleich zu 2008 waren 438 Abtreibungen weniger zu verzeichnen. Mit 73 Prozent nimmt die Gruppe der 18- bis 34-Jährigen den größten Anteil bei den Abtreibungen ein, gefolgt von den 35- bis 39-Jährigen. In acht Prozent der Fälle waren die Frauen älter als 40.

Vorwiegend ambulante Eingriffe

Die Statistik erfasst auch die Art des Eingriffes. Fast alle Schwangerschaftsabbrüche wurden ambulant durchgeführt (97%). Davon entfielen 79 Prozent der Eingriffe auf gynäkologische Praxen und 18 Prozent wurden in Krankenhäusern durchgeführt. Sechs Prozent, nämlich rund 6600 Frauen, ließen den Eingriff in einem anderen Bundesland durchführen.

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