Wissenschaftler warnen vor mehr Pollen durch Klimawandel
Wissenschaftler warnen vor mehr Pollen durch Klimawandel

Wissenschaftler haben davor gewarnt, dass es in Europa in nächster Zeit zu einem Anstieg der Allergien kommen wird. Bereits aktuell steigt die Zahl der Betroffenen kontinuierlich an. Noch in den 1950er Jahren wurde der Anteil der Allergiker in Deutschland mit zwei bis fünf Prozent angegeben, heute sind es bereits 25 Prozent. Dabei ist die Tendenz weiter ansteigend. Ein wichtiger Grund für die Ausbreitung des Heuschnupfens ist nach Aussage der Wissenschaftler die längere Blühzeit der Pflanzen. Die Erwärmung der Erde bewirkt, dass die Pollen länger durch die Luft gewirbelt werden. Bereits im Dezember beginnen die Haselsträucher mit der Blüte. Carsten Schmidt-Weber, der Direktor des Zentrums für Allergie und Umwelt in München, ist der Meinung, dass mittelfristig rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung von Allergien betroffen sein könnten.

Politik muss für Schutz der Allergiker eintreten  

Eine immer stärker wachsende Gefahr sind nach Ansicht der Forscher auch die Folgeerkrankungen. So kann der Heuschnupfen zu Asthma führen. "Da kommt was auf uns zu", sagt Jeroen Buters, Professor für Molekulare Allergologie an der Technischen Universität München. Er will die Politik in die Pflicht nehmen und verlangt "ein besseres Frühwarnsystem für Pollen". Ein solches System würde auch die Folgekosten verringern und Belastungen des Gesundheitswesens verringern. Als warnendes Beispiel führt Schmidt Weber auch die Lage in England an. Dort sei bereits jeder Zweite von Allergien betroffen.

Klimawandel begünstigt allergische Reaktionen

Im gesamten europäischen Raum ist die Menge der Pollen stark angestiegen. Der Klimawandel werde diese Entwicklung begünstigen, sagt Annette Menzel, Professorin für Ökoklimatologie an der Technischen Universität in München. Den Grund vermuten die Forscher in der steigenden Konzentration von CO2 in der Atmosphäre. Doch die Gefahr kommt nicht nur aus einem zahlenmäßigen Anstieg der Pollen. Nach einer neuen Studie ist auch die Menge der Allergene in den Pollen entscheidend. Je länger die Sporen reifen und die allergieauslösenden Stoffe aufnehmen können, um so gefährlicher sind sie für die Allergiker. "Abhängig von Zeit und Region produzieren die Pollen unterschiedlich große Mengen der Eiweißverbindungen, die letztlich für die allergische Immunantwort  verantwortlich sind", so Jeroen Buters.

Ambrosia – eine gefährliche Pflanze  

Große Sorge bereite den Wissenschaftlern auch eine spezielle Pflanze, die sich immer weiter ausbreitet. Die Ambrosia kann ausgesprochen starke Allergien auslösen. "Wenn wir noch fünf bis acht Jahre warten, ist Bayern durchinfiziert",  warnt Buters. Vor allem an den Autobahnen kann man zusehen, wie sich die Pflanze weiter ausbreitet. Man vermutet, dass die Samen der Pflanze an den Autos kleben und so weiter getragen werden. Aktuell sei der gesamte Raum um Berlin besonders betroffen.

Forschung muss Lösungen möglich machen

Die Erforschung der Bedingungen für die Ausbreitung von Allergien ist demnach ein sehr wichtiges Feld. Annette Menzel nutzt das heutige Klima in den Städten, um den  Folgen des Klimawandels auf die Spur zu kommen. Durch die Gebäude in der Stadt liegt die Temperatur dort um ein bis drei Grad höher als auf dem Land. Auch die Konzentration der Schadstoffe und des Kohlendioxyds ist höher, so dass hier die Folgen der globalen Erwärmung auch für die Allergiker deutlich werden können. Doch auch die Betroffenen können helfen, die Forschungsansätze und Ergebnisse der Forscher zu festigen. Jeroen Buters fordert Allergiker auf, ein Online-Pollentagebuch zu führen. So könnten die Thesen der Forscher mit der Realität verglichen werden.