Zu viel Schweinegrippe-Impfstoff – Staat hofft auf Kulanz
Zu viel Schweinegrippe-Impfstoff – Staat hofft auf Kulanz

Als der Pandemieplan aufgestellt wurde, gingen sowohl Bund und Länder als auch der Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline (GSK) davon aus, dass zwei Impfungen notwendig seien, um eine Immunisierung gegen die Schweinegrippe herzustellen. Mittlerweile ist bekannt, dass eine Impfdosis ausreichend ist. Somit wird ein Großteil der bestellten Menge gar nicht benötigt. Was zu viel bestellt und bereits ausgeliefert wurde, soll ins Ausland verkauft werden. Noch nicht ausgelieferte Impfdosen möchten die Bundesländer dem Hersteller am liebsten gar nicht erst abnehmen. Doch es gibt einen gültigen Vertrag.

Bund will Impfstoff abbestellen

Heute setzen sich Vertreter der Landesgesundheitsämter, des Bundesgesundheitsministeriums und des Herstellers an einen Tisch, um sich zum Problem des überschüssigen Impfstoffs zu verständigen. Der Vertrag über die Bestellung von 50 Millionen Impfdosen ist trotz des Überschusses weiterhin gültig. Die niedersächsische Sozialministerin und gleichzeitig amtierende Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz Mechthild Ross-Luttmann (CDU) hofft daher auf ein Entgegenkommen von Seiten des Herstellers GSK. Zum Zeitpunkt der Bestellung waren alle Beteiligten von zwei Impfungen ausgegangen.

Zu wenige Impfwillige

Die Bundesländer hatten sich bereit erklärt, Impfstoff für 30 Prozent der Bevölkerung zu finanzieren. Nun, da zu viel Impfstoff vorhanden ist, reichen die Vorräte für 60 Prozent der Bevölkerung. So viele Menschen würden sich aber voraussichtlich nicht impfen lassen, wie Ross-Luttmann gegenüber der Deutschen Pressagentur dpa sagte. Sie könne sich vorstellen, die Menge für zehn Prozent ins Ausland zu verkaufen und hofft gleichzeitig für 20 Prozent auf eine kulante Regelung des Herstellers. GSK hatte bereits im Vorfeld Einigungsbereitschaft signalisiert, aber auch darauf hingewiesen, dass die Produktion nicht so einfach gestoppt werden könne.
Ausland bekundet Interesse

Der Verkauf von Impfstoff ins Ausland wird seit einigen Wochen geprüft. Bisher haben neben der Türkei und der Ukraine auch der Iran und der Kosovo Interesse bekundet. Konkrete Vereinbarungen gibt es allerdings noch nicht. Unterdessen rügte Mechthild Ross-Luttmann die Zurückhaltung des Bundes. Der habe die Länder dazu gedrängt, Impfstoff in den nun vorliegenden Mengen zu bestellen. Die niedersächsische Sozialministerin regte an, neben dem Bundesgesundheitsministerium auch das Entwicklungsministerium und das Auswärtige Amt in den Verkauf einzubinden. Es ist ihrer Ansicht nach den Bundesländern nicht zumutbar, den Verkauf allein zu koordinieren.