Zu viele Rückstände von Antibiotika im Hähnchenfleisch
Zu viele Rückstände von Antibiotika im Hähnchenfleisch

Ein Mastdurchgang ist die Zeitspanne vom Schlüpfen des Kükens bis zum Schlachten. Die ausführenden Behörden haben die entsprechenden Daten von Januar bis Juni 2011 aus 182 Betrieben ausgewertet. Bis zu acht verschiedene Antibiotika seien in das Futter gemischt worden, berichtete der Radiosender NDR Info am vergangenen Freitag. Es ist nach dem Bericht nicht auszuschließen, dass die Mäster Antibiotika nicht ausschließlich zur Bekämpfung von Krankheiten einsetzen. Antibiotika sind auch ein bewährtes Mittel zur schnellen Förderung des Wachstums.  Diese Praxis ist allerdings in der gesamten Europäischen Union seit 2006 verboten. Hintergrund ist die Tatsache, dass die wichtigste Waffe im Kampf gegen bakterielle Infektionen viel zu oft nicht mehr wirkt. Krankheitserreger werden resistent und können nicht mehr bekämpft werden.

Verschwenderische Nutzung von Antibiotika  

Die Medikamente greifen in den normalen Bakterienbestand des Darmtraktes ein. Um das Wachstum zu fördern, mischen die Mäster ein bis zwei Tage lang die Antibiotika unter das Futter. Doch das kommt einer Unterdosierung gleich und ist wie ein Fitnesstraining für Krankheitserreger. Das wiederum erhöht das Risiko, dass Bakterien resistent werden. Bei einer tatsächlichen Infektion werden die erkrankten Tiere nach tierärztlicher Anweisung zwischen drei und sechs Tagen behandelt. Auch ist es in den Mastbetrieben üblich, den ganzen Bestand mit Antibiotika zu versorgen, obwohl tatsächlich nur ein Tier erkrankt ist. Die Geflügelzüchter verlangen eine derartige Vorsorge, um Seuchen zu verhindern.

Antibiotika verlieren ihre Wirkung

Die Ergebnisse der Untersuchungen stimmen bedenklich. Immerhin verzehrt jeder Bundesbürger statistisch gesehen elf Kilogramm Geflügelfleisch pro Jahr. Was die chemischen Rückstände anrichten, kann nur vermutet werden. In einem Bericht des Fernsehmagazins Report Mainz war erst kürzlich zu sehen, dass Fleischproben von handelsüblichem Geflügel besonders große Belastungen mit MRSA aufwiesen. Dieses sehr gefährliche Bakterium ist multiresistent und für zehntausende Todesfälle verantwortlich. Beim Kontakt mit dem Fleisch kann der Erreger durch kleine Wunden in den Körper eindringen. Außerdem hatte eine Studie der Universität im schwedischen Uppsala nachgewiesen, dass Rückstände von Antibiotika im Fleisch dazu beitragen können, dass sich resistente Bakterien ungehindert verbreiten können. Die resistenten Bakterien werden zu einem immer größeren Problem.

Dementi der Wirtschaftsverbände    

Die Geflügelwirtschaft will aber von unerlaubten Gaben von Antibiotika oder deren verbotenen Einsatz als Wachstumsförderung nichts wissen. "Das ist eine Unterstellung und schlicht nicht wahr", so der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft. Das Ministerium in Düsseldorf dagegen wollte sich noch nicht zu den Berichten äußern. Erst Mitte November seien die Ergebnisse vollständig ausgewertet und würden dann der Öffentlichkeit vorgestellt.

Einsatz von Medikamenten soll gestoppt werden

Doch offensichtlich haben die Berichte über missbräuchliche Anwendungen von Medikamenten doch Auswirkungen auf die Betriebe. Es sollen nach Angaben der Geflügelwirtschaft Änderungen vorangetrieben werden. Man will die Anwendung von Antibiotika in der Zukunft registrieren und erfassen. Auf der Basis dieser Daten soll der Einsatz der Medikamente verringert werden. Der Bundesverband der Geflügelschlachtereien will den Verbrauch von Antibiotika in den nächsten fünf Jahren um 30 Prozent vermindern. Es bleibt abzuwarten, ob diesen Ankündigungen auch Taten folgen.