Abgase
Der Autohersteller VW gab zu, seine Abgaswerte gefälscht zu haben. © panthermedia.net / rtbilder

Katastrophaler Wochenstart für Volkswagen. Nach Untersuchungen der US-Umweltschutzbehörde gab der Konzern zu, die Abgasmessungen seiner Dieselfahrzeuge systematisch gefälscht zu haben. Am Freitag hatte die EPA gegen den Konzern schwere Vorwürfe erhoben. Diese wurden von VW anschließend bestätigt. Aktuell arbeitet der Autohersteller nach eigenen Angaben eng mit den US-Behörden zusammen. Eine zusätzliche externe Untersuchung soll laut VW-Chef Winterkorn ebenfalls folgen.

Rund 482.000 Vier-Zylinder-Modelle des deutschen Autoherstellers hat die EPA als Problemfahrzeuge in einem am Freitag veröffentlichten Bericht identifiziert. Die Modellpalette erstreckt sich dabei von Jetta und Beetle über Golf bis hin zum Audi A3. Möglich wurde die Manipulation der Abgaswerte durch eine spezielle Software des Unternehmens. Diese ist in der Lage festzustellen, wann der Wagen einem behördlichen Test unterzogen wird. Ist dies der Fall, dann schaltete die Software automatisch auf Abgasbegrenzung. Während der normalen Fahrt blieb diese Funktion jedoch deaktiviert. In der Folge können VW-Dieselfahrzeuge die für den Umweltschutz festgesetzten Emissionslimits um das Vierzigfache unterbieten und gelten als sehr umweltfreundlich. Dieses Image dürfte VW nach dem nun bekannten gewordenen Manipulationen jedoch erst einmal verspielt haben. Um den Schaden möglichst in Grenzen zu halten, hat der Konzern eine umfassende Zusammenarbeit mit den Behörden angekündigt. Ein Milliardenverlust droht jedoch trotzdem.

Hohe Strafen drohen

Wie hoch die Strafen am Ende für den Konzern ausfallen, hängt von der amerikanischen Behörde ab. Bisher hat die EPA noch keinen Rückruf der Wagen befohlen, was für VW vermutlich der Supergau wäre. Aber auch eventuelle Strafzahlungen könnten sich für die Wolfsburger zu einem echten Problem entwickeln. Bis zu 37.500 Dollar Strafe kann die EPA nach der amerikanischen Rechtslage für jedes der rund 482.000 betroffenen Fahrzeuge verhängen. Dies würde sich im schlimmsten Falle auf mehr als 18 Milliarden Dollar summieren. Experten wie Stefan Bratzel, Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, gehen jedoch davon aus, dass VW die Kosten aufgrund seiner umfangreichen Kooperation deutlich senken wird.

Weltweiter Imageschaden

Nicht zu verachten ist allerdings der Imageschaden für Volkswagen. Unter anderem hatte VW zuletzt eine groß angelegte Öko-Werbekampagne gefahren, um die dieselskeptischen Amerikaner von den eigenen Modellen zu überzeugen. Noch in der ersten Jahreshälfte konnte VW seine Verkaufserfolge steigern und setzte sich damit zur Führungsspitze unter den Autobauern durch.  Darüber hinaus beschränkt sich der Imageschaden nicht nur auf den US-Markt. Auch in Deutschland werden bereits Stimmen laut, die Untersuchungen bei Volkswagen fordern. Unter anderem verlangte die Vorsitzende des Umweltausschusses Bärbel Höhn (Die Grünen), dass auch in Deutschland Abgastests untersucht werden müssen, um Manipulationen durch Hersteller auszuschließen.