So mancher Autofahrer biegt samstags gegen 8 Uhr morgens auch schon mal bei ROT rechts ab, wenn keiner hinter ihm kommt, keiner von links anrollt und im Gegenverkehr auch keiner zu sehen ist. Schließlich werden an dieser Kreuzung auch sonst keine Rot-Sünder „geblitzt“.

Und trotzdem haben Rotlichtsünder, Raser oder Fahrer mit Alkohol einen zweifelhaften Rekord aufgestellt. Seit im Jahre 1974 das Mehrfachtäter-Punktsystem als Verkehrs-Zentralregister beim Flensburger Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) eingerichtet wurde, waren aktuell noch nie so viele Verkehrsteilnehmer punktbelastet eingetragen. Waren es doch bis Anfang 2010 knapp neun Millionen Personen, eine Zahl, die innerhalb von zehn Jahren eine Steigerung von 33 Prozent oder von 6.750.000 auf 9.000.000 bedeutet oder eben einen Anstieg um 33 Prozent.

Zwölf von 100 registriert

So war es im Juni 2011 der Auto Club Europa ACE, der die Ergebnisse einer Studie publizierte, aus der bekannt wird, dass circa 12 von jeweils 100 strafmündigen Bürger der Republik wegen schwerer Verkehrsvergehen in Flensburg gespeichert sind. Einen Unterschied machen jedoch die Punktesammler in ihren Bundesländern, was auf eine regionale oder gar landsmannschaftlich verschiedene Verkehrsmoral oder auf eine polizeilich verschiedene Kontrolldichte zurückzuführen sein könnte. Skeptisch ist man beim ACE gegenüber der avisierten Reform des Flensburger Punktesystems durch CSU-Minister Ramsauer. Da sei zwar nichts einzuwenden gegen mehr Transparenz und vereinfachte Regelungen, ob dies jedoch zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führe, müsse fraglich bleiben.

Westfalen und die aus dem Ländle

Warum viele Punktesünder dann aber in Nordrhein-Westfalen leben und auf den weiteren Rängen die Fahrer in Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg rangieren, ist eine Auffälligkeit, die jedoch auch mit den „besseren“ Verkehrsteilnehmern in Schleswig-Holstein und Thüringen keinen direkten Vergleich zulassen. Herrscht doch bestes Verkehrsverhalten im Saarland und keiner hat eine Antwort darauf warum.
Das nun, so der ACE, mag eben an der Kontroll- und Ahndungs-Intensität an der Saar liegen, wo diese nicht so ausgeprägt sind wie in anderen Bundesländern. Hat doch das Saarland regelmäßig weniger gut abgeschnitten als zuletzt, wobei 2009 im Saarland eine Zunahme der Punkte bei den „Sündern“ zu verzeichnen war.

Gibt es die Auto-Machos?

Bei der Auswertung der Verkehrssünder-Kartei wird klar, dass Männer deutlich mehr Punkte sammeln als Frauen: Bundesweit ist statistisch jeder fünfte Autofahrer eingetragen, jedoch nur jede 18. Fahrerin. Geht es dann auch ums Alter der „Sünder“, ist die Hälfte derer mit Punkten wegen Ordnungswidrigkeiten und Straftaten zwischen 25 und 44 Jahren alt. Dagegen nimmt sich der Anteil der jugendlichen Verkehrsteilnehmer bis 20 Jahren recht gering aus. Denn bei noch geringer Zahl an ausgestatteter Motorisierung erziehen wohl die weiteren Restriktionen für Fahranfänger recht deutlich. Deutlich unter dem Durchschnitt liegen Personen über 65 Jahren. Übrigens: Am meisten Punkte sammelt, wer zu den Rasern gehört, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit deutlich übertreten, und jene, die die Vorfahrt verletzen bzw. die, die mit Alkohol erwischt wurden.