Eine interessante Konstellation bot sich heute im Wirtschaftsteil meiner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ – ein bisschen wie Ursache und Wirkung. Aber wahrscheinlich nur Zufall – das Nebeneinander von „Kurze Ferien für die Autohersteller“ und „Die Bahn zuckelt hinterher“. Und in der Mitte „Alles unter Kontrolle“- der Bericht über die Übernahme von MAN durch VW.

Die deutschen Autobauer müssen gerade so viele Autos bauen, dass die Sommerferien verkürzt und Sonderschichten gefahren werden müssen. Mit diesen Maßnahmen sollen die Lieferzeiten verkürzt werden, die laut VDA-Chef Wissmann, zum Teil mehrere Monate dauern.

In den ersten sechs Monaten sind laut VDA bereits drei Millionen Neuwagen in Deutschland gebaut worden – eine Zahl, die noch nie erreicht werden konnte. Im gesamten Jahr 2011 könnten es dann 5,9 Millionen Autos werden – eine Produktionszahl, die es allerdings schon mal im Jahre 2008 gegeben hat.

Die deutsche Autoindustrie exportierte eine gewaltige Menge der produzierten Fahrzeuge in die ganze Welt, nämlich 2,3 Millionen Fahrzeuge. Der Großteil geht also ins Ausland. Aber auch Deutschland selbst bekommt etwas von diesen Zahlen zu spüren: Bis Ende Juni wurden bereits 1,62 Millionen Neuwagen zugelassen. Wissmann erwartet, dass es am Jahresende dann über 3,1 Millionen Neuzulassungen sein werden.

Keine richtige Erfolgsgeschichte scheint die Bahn zu sein. Und vielleicht gibt es ja auch einen direkten Zusammenhang zwischen einer schwachen Bahnleistung und der stetig steigenden Zahl der Privatautos in Deutschland. Jedenfalls hinkt die Bahn wohl bei den Investitionen weit hinter anderen europäischen Ländern zurück.
Dabei hatte sich der deutsche Staat vorgenommen, den Verkehrszuwachs mit der Eisenbahn zu bewältigen. Dafür müsste man allerdings Geld in die Hand nehmen – und das scheint Deutschland derzeit nicht zu tun. Jedenfalls wurden 2010 pro Bundesbürger gerade mal 53 Euro in die Schiene investiert – in der Schweiz waren es 308 Euro.

Aber dieser Unterschied bei den Pro-Kopf-Investitionen ist nicht nur im Vergleich zur Schweiz auffällig. Die Allianz pro Schiene sagt, dass der Eisenbahnausbau überall auf der Welt boomt. Nur Deutschland investiert nicht, hat keine Strategie, verändert nichts – und zieht neuen Verkehr durch den Bau neuer Straßen an.