Die Berliner Tagesszeitung „Der Tagesspiegel“ hat ein großes Interview mit dem Elektromobilitäts-Pionier Shai Agassi veröffentlicht.

Der ehemalige SAP-Vorstand Shai Agassi hat das Elektromobilitäts-Unternehmen „Better Place“ gegründet. Das Ziel dieses Unternehmens ist es, Infrastrukturen für Elektromobilität aufzubauen. Eine seiner Ideen: Um die Alltagstauglichkeit von Elektroautos zu steigern, soll es ein Netz von Wechselstationen geben, an denen die Batterien von Elektroautos in kürzester Zeit ausgetauscht werden können. So müssen Elektroautos nicht für längere Zeit an die Steckdose, sondern wechseln einfach den Batterieblock – und fahren dann weiter.

In Israel und Dänemark gibt es Pilotprojekte. Laut Agassi geht nun in Israel die achte von ingesamt 56 Batteriewechselstationen an den Start. Das gesamte Netzwerk in Israel soll Ende 2011 aufgebaut sein. Zum Netz in Dänemark macht er im Interview keine Angaben. Er sagte aber, dass die Projekte in Israel und Dänemark künstlich auf 5.000 Fahrzeuge beschränkt werden. Mit diesen Fahrzeugen soll das gesamte Konzept erst einmal in Ruhe getestet werden. Aus seiner Sicht gibt es keinen Grund zur Eile.

Auch zur Lage der Elektromobilität in Deutschland nimmt der Vollblut-Unternehmer Stellung. Aus seiner Sicht gibt es in Deutschland keinen politischen Willen, eine Infrastruktur für Elektromobilität aufzubauen. Er sagt, dass es dafür mehrere Gründe gibt: Das grundsätzliche Misstrauen gegenüber dem Wandel, die Ablehnung des Better-Place-Konzeptes – und das Warten auf nationale Lösungen. Und wenn die Politik und die Bürokratie nicht mitmachen, ist es extrem schwer, Infrastrukturen aufzubauen.

Der Markt für Elektromobilität ist aus der Sicht von Agassi gigantisch. Es geht alleine beim Kraftstoff um einen Markt, der bislang 2 Billionen Dollar beträgt (also Benzinkosten). Darüber hinaus geht es natürlich um die Fahrzeuge. Der Witz an der Sache: Agassis-Konzept funktioniert schon heute. Better-Place-Taxis laufen 20.000 Kilometer – und der Batteriewechsel dauert nur noch 59 Sekunden.

Im Interview macht er noch eine interessante Rechnung auf: Wenn man ein Benzinauto fährt, müssen bis zu 15.000 Euro in die Lautlosigkeit des Fahrzeugs investiert werden. Beim Elektroauto fällt diese Investition weg, weil Elektromotoren lautlos sind. Die Treibstoffeffizienz sei zudem „unendlich“, weil es keinen Treibstoff gibt. Damit würde die Elektroauto-Entwicklung an einem besseren Punkt starten, als die Entwicklung von Autos mit Verbrennungsmotoren.