LKW
Führen Lang-LKW zu mehr Verkehr? © panthermedia.net / Krzysztof Zabłocki

Die nächste Runde um den Zoff des neuen Lang-Lkws scheint eingeläutet zu sein. Schon seit längerem sorgen die Riesen-LKW, sogenannte Gigaliner, für Diskussionen. Anlass zum neuen Disput entsteht jetzt durch eine Studie über die Verlagerung von Bahn-Transporten auf die Straße, welche durch Bahnverbände vor einiger Zeit in Auftrag gegeben wurde.

Studie sorgt für neuen Streit

Die Allianz pro Schiene hatte eine Hochschulstudie zur Zulassung von extralangen Lastwagen in Auftrag gegeben. Dabei kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Einführung eines Gigaliners den Transport von Gütern jedweder Art weg von der Schiene hin auf die Straße verlagern würde. Hauptgrund liege laut Studie in den Kostenvorteilen, welche sich aus einem direkten Vergleich von Lastwagen und Güterverkehr zusammensetzen. Sowohl das Bundesverkehrsministerium als auch die Autoindustrie widersprechen den vorgestellten Ergebnissen, welche die Öko-Argumente der LKW-Befürworter widerlegen, vehement.

Durch Regelbetrieb täglich 7.000 Fahrten mehr

Die Studie prognostiziert zudem, dass rund 7,6 Prozent des Güterverkehrs der Schienen auf die Straßen wandern werden, wenn der Lang-Lkw in Deutschland zugelassen wird. Herbert Sonntag, Verkehrsforscher und Professor an der Technischen Hochschule Wildau, geht von circa 7.000 zusätzlichen Lkw-Fahrten pro Tag aus. Sonntag ist gleichzeitig Vorstandsmitglied beim Verein Allianz pro Schiene. Gemeinsam mit seinem Kollegen Gernot Liedke von der Technischen Universität Berlin haben beide die Studie ins Leben gerufen. Dirk Flege, Geschäftsführer der Bahn-Allianz, hat indes Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vorgeworfen, sich bei der Zulassung des Lang-Lkws bereits festgelegt zu haben. Dabei sei der Feldversuch noch in vollem Gang, so Flege weiter. Bis Ende 2016 wird der 25 Meter lange und 44 Tonne schwere Lkw durch eine Expertengemeinschaft ausführlich getestet. Sieben Bundesländer beteiligen sich an der Testphase. Vier weitere Länder stellen bei Bedarf ausgewählte Strecken zu Testzwecken zur Verfügung.

Potenzial der Gigaliner

Mit den Worten „sehr erfolgreich“ hat das Verkehrsministerium die aktuelle Testphase erklärend zusammengefasst. In Zukunft könnten zwei Lang-Lkw drei Lkw ersetzen. Neben einer 25-prozentigen Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs entlaste das extralange Gefährt sowohl die Straßen als auch die Umwelt, so das Verkehrsministerium weiter. Etwaige Verlagerungseffekte von Schienen aus Straßen seien bislang nicht aufgetreten. Mit der Deutschen Bahn AG sei bereits vor über fünf Jahren die Entscheidung getroffen worden, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die eine höhere Effizienz im Straßenverkehr fördern und gleichzeitig durch eine Kombination den Schienengüterverkehr nachhaltig unterstützen.