Vornehm ausgedrückt ist eine Kleinigkeit eine „Petitesse“. Für einen durch Unfall Geschädigten ist jedoch auch ein kleiner Unfall ein „aufregende, weil ärgerliche Kleinigkeit“. Diese zu regeln, erfordert dann die Antwort auf die Frage, ob überhaupt ein Bagatellschaden vorliegt und in welcher Höhe dieser anzusetzen ist.

Ist ein Auto noch recht neu, wirkt für den Fahrzeughalter nahezu jeder Kratzer wie ein immenser Schaden; vor allem mit Blick auf den Wiederverkaufswert, auch wenn der in weiter Ferne noch gar nicht zu erkennen ist. Deshalb kommt es ganz objektiv auf den Erfahrenshorizont einer Person an, wenn diese als Geschädigte den Umfang und die Kosten eines Unfall-Schadens erkennen soll.

Im strittigen Fall sah dies das AG Lünen so (März 2010 / AZ: 8 C 974/09), als es wieder mal um die nach oben offene Grenze für einen „Bagatellschaden“ ging. Wie eigentlich immer ereifert man sich in der Auseinandersetzungen zu der Frage, bis zu welcher Grenze überhaupt ein „kleiner Schaden“ gegeben ist. Oft verbunden mit der leidigen Folge, dass ein Gutachter, den der Geschädigte beauftragt hat, und dessen Kosten von der gegnerischen Versicherung nicht ersetzt werden will.
Dazu hat der BGH allerdings bereits 2004 geurteilt (11/2004; AZ: VI ZR 365/03), dass bei einem Reparaturumfang im Wert von etwa 715 Euro brutto nicht mehr von einem Bagatellschaden auszugehen sei.

Was, bitte, ist ein Kleinstschaden?

Zuvor und danach haben andere Gerichte den Kostenrahmen zwischen 500 und 1000 Euro angesetzt.
Gilt nun alles als irgendwie vertretbar, bei relativer Unsicherheit zu fixierten Grenzwerten, wird juristisch meist argumentiert, dass es auch auf die ganz subjektive Sicht des Geschädigten ankomme.
Dem nämlich fehlt als technischem Laie auch bei Klein(st)schäden im allgemeinen die Urteilsfähigkeit, ob die Reparatur eines Schadens für 500, 800 oder 1000 Euro geleistet werden kann. Inzwischen neigt man nicht nur beim AG Lünen dazu, die Grenzen für den Bagatellschaden sehr weit aber auch mal enger auszulegen.

Aus dem Urteil

Wer als Kläger mittels Gutachten Kosten eines Sachverständigen verursachte, hat Anspruch darauf, dass diese von der Beklagten zu ersetzen sind, weil es sich in diesem Umfang um Kosten einer Rechtsverfolgung handelt, die als zweckentsprechend gilt.
Ob diese erforderlich und zweckmäßig ist, muss nachträglich auch mit dem Blick des Geschädigten gesehen werden, den dieser zum Zeitpunkt des Auftrags hatte. Kommt es doch darauf an, ob „ein verständig und wirtschaftlich denkender Geschädigter nach seinen Erkenntnissen und Möglichkeiten die Einschaltung eines Sachverständigen für geboten erachten durfte (BGH NJW 2005, 356).

Demnach geht es nicht allein um die später ermittelte Schadenshöhe, die einen bestimmten Betrag überschreitet, da dem Geschädigten zum Zeitpunkt der Beauftragung des Gutachters diese Höhe gerade nicht bekannt ist „(BGH a.a.O.).
Im Übrigen sind insbesondere auch banale Lackschäden für einen Laien nur schwer in deren Umfang einzuschätzen….