Radfahrer, die auf einem Geh- und Radweg unterwegs sind, und dort einer Fußgängergruppe näher kommen, sind dazu verpflichtet, ihre Geschwindigkeit soweit reduzieren, dass sie im Gefahrenfall jederzeit bremsen können. So entschieden zuletzt die Richter des Oberlandesgerichts München (Az. 10 U 2809/09).

Im betreffenden Fall war eine Radfahrerin auf einem gemeinsamen Geh- und Radweg unterwegs gewesen. Als sie sich einer Fußgängergruppe näherte, klingelte sie. Nachdem es auf ihr Klingeln zu keiner erkennbaren Reaktion kam, entschloss sie sich ungebremst weiterzufahren. Dabei kam es dazu, dass einer der Fußgänger einen Schritt rückwärts machte und so mit der Radfahrerin zusammenstieß. In dem Urteil des Oberlandesgerichts München ging man zwar von einem Verschulden der Fußgängerin bei der Kollision aus, schließlich hatte sie gegen das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme verstoßen und unachtsam einen Schritt zurück gemacht. Ungeachtet dessen bewerteten die Richter das Fehlverhalten der Radfahrerin wesentlich höher. Die Radfahrerin hätte ihre Geschwindigkeit der Situation anpassen müssen und deswegen gegebenenfalls sogar Schrittgeschwindigkeit, was 5 bis 7 Kilometer pro Stunde entspricht, fahren müssen. Das Richter legten folgenden Quotenverteilung ihrem Urteil zugrunde: Die Haftung zu Lasten der Radfahrerin wird mit einem Drittel zu zwei Dritteln bemessen, was dann jeweils von der Haftpflicht getragen wird.