Seit 200 Tagen gibt es bei der Berliner S-Bahn eine Dauerkrise. Seit Ende Juni 2009 gibt es quasi keinen Normalbetrieb mehr. Jetzt kam es zu ersten Pöbeleien. Fahrgäste sprangen auf offener Strecke aus dem wartenden Zug und liefen über die Schienen.

Jeden Tag fährt die Berliner S-Bahn Verluste von 250.000 Euro ein, weil sie nicht in der Lage ist, ihren Vertrag mit dem Berliner Senat zu erfüllen – und weil immer mehr Fahrgäste keine Lust mehr auf Verspätungen, Zugausfälle und Stillstand haben. Jetzt hat der Unmut der Fahrgäste eine neue Dimension erreicht.

Als der Zugverkehr wegen eines Notarzteinsatzes auf dem S-Bahnhof Alexanderplatz unterbrochen wurde, kam es zu Auseinandersetzungen auf dem Bahnsteig. In einem wartenden S-Bahn-Zug war eine leblose Person bemerkt worden. Der Zug musste im Bahnhof stehen bleiben. Die folgenden Züge mussten auf freier Strecke halten. Darauf hatten einige Fahrgäste keine Lust und sprangen aus dem Zug.

Sie liefen auf den Gleisen, um den nächsten Bahnhof zu erreichen. Da sie dabei sehr nahe an der Stromschiene liefen, musste der S-Bahn-Führer die Energieversorgung abschalten. Das führte dazu, dass auch andere S-Bahnen nicht mehr fahren konnten. Das wirkte sich auch auf regionale, nationale und internationale Zugverbindungen aus.

Grund für die andauernde Misere ist vordergründig das Versäumnis der S-Bahn, betriebsnotwendige Wartungen nicht mehr durchgeführt zu haben. Das Eisenbahn-Bundesamt zog deshalb Züge aus dem Verkehr und kontrollierte stärker. Die wirkliche Verantwortung trägt aber wahrscheinlich die Bahn, die der S-Bahn Millionen von Euro entzogen hat, um sich für die geplante Privatisierung attraktiver zu machen – auf Kosten der Kundenzufriedenheit und -sicherheit.