Obwohl sich Mineralölwirtschaft und Politik weiterhin für den E10 Kraftstoff stark machen, halten sich die Verbraucher zurück. Etliche Fahrzeugbesitzer wollen auf Nummer sicher gehen und tanken vorzugsweise Super Plus Kraftstoff – um somit die Gewissheit zu haben, dass der Kraftstoff ihrem Fahrzeug nicht schaden kann.

Wie viele Fahrzeugbesitzer an der Zapfsäule zum E10 Kraftstoff greifen, lässt sich nur bedingt sagen. Selbst renommierte Zeitungen nennen zum Teil äußerst unterschiedliche Zahlen. So war unter anderem zu lesen, dass gerade einmal zehn Prozent aller Tankstellenkunden den E10 Kraftstoff tanken.

Der Staat trägt nur bedingt dazu bei, das Vertrauen in den neuen Kraftstoff zu steigern. Eines der besten Beispiele ist die Polizei in Schleswig-Holstein. Wie die „Lübecker Nachrichten“ schreiben, hat die Polizei beschlossen, E10 Kraftstoff vorerst nicht zu tanken. Es wurde ein entsprechendes Tankverbot verhängt. Solange das Verbot gilt, dürfen betroffene Polizeifahrzeuge (die meisten Fahrzeuge laufen ohnehin mit Diesel) nicht mit E10 betankt werden.
Eine ähnliche Entscheidung könnte auch in Baden-Württemberg getroffen werden. Dort prüfen die Polizei-Dienststellen augenblicklich, wie es um die E10 Kraftstoffverträglichkeit ihrer Fahrzeuge bestellt ist. Aufgrund der hohen Verbreitung von Dieselfahrzeugen sind allerdings nur 327 Autos und 173 Motorräder betroffen.

Was die eigentliche Verträglichkeit des Kraftstoffs betrifft, so könnte es um diese übrigens besser bestellt sein, als bisher angenommen wurde. Redakteure der Sendung „Spiegel TV“ ließen E10 Kraftstoff an mehreren Tankstellen überprüfen. Das Ergebnis überrascht: An den meisten Tankstellen wird nach wie vor E5 Kraftstoff verkauft. An keiner Tankstelle betrug der Ethanolanteil mehr als acht Prozent. Die Mineralölkonzerne mischen derzeit nicht mehr Bioethanol bei, um eine Toleranz zu den Verträglichkeiten zu halten, die von Autoherstellern genannt wurden.