Körpermaße, Marktanteile und Konfektionsgrößen deutlich verändert

Es ist gerade mal ein Jahr her, als im April 2009 die repräsentative Deutsche Reihenmessung „SizeGERMANY“ als Gemeinschaftsprojekt des internationalen Textilforschungszentrums Hohenstein und der Human Solutions GmbH, dem führenden Hersteller für Bodyscanning, vorgestellt wurde. Ergebnis: Seit der letzten Bodymaße-Erhebung 1994 sind die Frauen 1 Zentimeter und die Männer seit 1980 gleich 3,2 Zentimeter größer geworden.

Da diese Kenntnis für den Markt bedeutend ist, haben über 100 Unternehmen aus Bekleidung und Automobil sich finanziell beteiligt, um sich auch den exklusiven Zugriff auf die Messergebnisse zu sichern.

Das Projekt SizeGERMANY deckt auf

Sechzehn Monate lang – ab dem 1. Juli 2007- haben vier Messteams an 31 Messstandorten im gesamten Bundesgebiet die Körpermaße von 13.362 Männern, Frauen und Kinder im Alter zwischen 6 und 87 Jahren ermittelt. Alles verlief „berührungslos“ mit moderner 3-Scanner-Technologie in einer sitzenden und drei stehenden Positionen.
Vierhunderttausend Messpunkte ergaben den „elektronischen Zwilling“ des jeweiligen Teilnehmers, woraus 44 Körpermaße für die Bekleidungsindustrie und 53 Körpermaße für die technische Ergonomie abgenommen wurden.
Den anonymisierten Daten des Einzelnen sind allerdings dessen Geschlecht und Alter zugeordnet, die für die Analyse von Zielgruppen und spezielle Ansprüche von Herstellern von beteiligten Firmen über ein Online-Portal abrufbar sind.

Gründe für die Reihenmessung

Wie längst bekannt sind die Deutschen in ihrer Körperlichkeit seit Jahrzehnten im Durchschnitt größer und kräftiger als Eltern und Großeltern. Als Problem ergab sich, dass für immer mehr Menschen die gängigen Passformen nicht mehr stimmten. Einzige Lösung, die sich anbot: Die aktuellen Körpermaße sind von Industrie und Handel und auch von der Automobilindustrie über ein „SizeGERMANY“-Projekt zu erfassen.

Seit 1980 und 1994 sind alle gewachsen

Was bei den Mädchen, Frauen und Seniorinnen seit 1994 galt – und zwar im Alter von 14 bis 70 Jahren – hat sich als Durchschnitt und unabhängig von bisherigen Konfektionsgrößen wie folgt geändert: Körperhöhe +1,0 cm; Brustumfang +2,3 cm; Taille +4,1 cm; Hüfte +1,8 cm.
Bei den Herren orientierte man sich zuletzt nach Angaben aus der Reihenmessung 1980. Aktuell ist die männliche Bevölkerung zwischen 16 und 70 im Durchschnitt ebenfalls deutlich gewachsen: Körperhöhe +3,2 cm; Brust +7,3 cm; Taille +4,4 cm und Hüfte +3,6 cm.

Körpermaß und Maßtabellen

Was seit 1957 als Hohensteiner Maßtabellen angewandt wird, und zwar jeweils 44 Maße für die Konfektion die Mode für Frauen (DOB), Männer und Knaben (HAKA) und Kinder (KIKO) – hat sich längst überholt.
Virtuelle Körper werden aktuell nach Brustumfang zusammengefasst (geclustert) und von Spezialisten der Bekleidungstechnik in Passformen für möglichst viele Menschen gewandelt. Sekundär maßgebend: Die Hüfte bei der Frau und die Taille beim Mann.

Körpermaß und Ergonomie am Fahrzeug

Was dem Textiler recht ist, muss dem Fahrzeug-Designer billig sein. Denn veränderte Körpermaße bestimmen auch die Entwicklung neuer Fahrzeuge.
Zwar mit weniger Problemen als in der Bekleidungsindustrie, denn Fahrzeuge werden schon immer für 95 % der Bevölkerung entwickelt. Da gibt es die kleine Frau (5. Perzentil) und den großen Mann (95. Perzentil) und es galt bei der Konstruktion für die Innenraummaße ständig ein „Akzelerationszuschlag“ auf die bisherigen Werte der Zielgruppen-Fahrer und Fahrerinnen.
Was schon seit Jahren computergestützt mit 3D-CAD-Systemen und das Ergonomie-Tool RAMSIS angewandt wurde, wird deshalb trotz SizeGERMANY die Bauweise der Fahrzeuge kaum verändern.
Was allerdings die neuen Daten erlauben: Den präzisen Blick in die Zukunft, wenn die neue Akzelerations-Simulation für die Automobilpartner das Größenwachstum der Deutschen für Jahr 2040 hochrechnen kann.