Merkantile Wertminderung meist umstritten

Zeigt man sich als Unfallgeschädigter dann doch auch mal „sperrig“ und beharrt auf einem Privatgutachten nach einem Haftpflichtschaden, kann sich das durchaus lohnen. Überzeugen muss man damit jedoch den oder die Richter, denn das Gutachten muss schlüssig, widerspruchsfrei und plausibel sein.

Im strittigen Fall hatte die Klägerin von der gegnerischen Versicherung eine merkantile Wertminderung begehrt, die diese nicht bereit war zu zahlen. Doch das AG Bochum folgte den Argumenten des privat beauftragten Gutachters, worauf letztlich fast das Doppelte der ursprünglich gebotenen Summe fällig wurde (Mai 2012, AZ: 42 C 528/11).

Aus dem Gutachten der Versicherung des Unfallverursachers ging für den Haftpflichtschaden eine begleitende Wertminderung von 1.250 Euro einher. Doch die später beklagte Versicherung leistete nur 920 Euro, worauf die Klägerin einen weiteren Gutachter baufzragte, der auf 1.700 Euro kam…

Klar dass die Klägerin nun die Differenz forderte. Der Schaden am Fahrzeug war zuvor wegen der zunächst offenen Haftungsfrage durch die Vollkasko der Klägerin reguliert worden, worauf das AG Bochum der Klage schließlich stattgab.
Der beauftragte Sachverständige hatte die merkantile Wertminderung nachvollziehbar und plausibel ermittelt und in seinem Gutachten nachvollziehbar erläutert, wie der Fahrzeugwert herabgesetzt werden müsste, um das Unfallfahrzeug nach vollständiger und ordnungsgemäßer Reparatur am Gebrauchtwagenmarkt wieder wie ein vergleichbares unfallfreies Fahrzeug veräußern zu können.

Aus der Begründung

„Das Gericht schließt sich diesen überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen an. Angesichts der zu berücksichtigenden Randbedingungen wie Fahrzeugtyp oder Baujahr sowie insbesondere der Tatsache, dass Fahrzeuge des streitgegenständlichen Typs an einem breit gefächerten Gebrauchtwagenmarkt noch in erheblichen Umfang gehandelt werden und daher von Interessenten ein besonders makelloser Zustand erwartet wird, erscheint der von dem Sachverständigen dargelegte Betrag dem Gericht nach Prüfung des Gutachtens schlüssig und plausibel dargelegt und berechnet.
[…] Grundsätzlich bestehen keine Bedenken gegen die Berücksichtigung von Privatgutachten
[…] Nachdem die Beklagten die überzeugenden Feststellungen des Privatgutachters nicht substantiiert angegriffen haben, konnte das Vertrauen in das Ergebnis des Privatgutachtens aus Sicht der Richter nicht erschüttert werden.“