Das Bundesgesundheitsministerium hat die Zahlen für das erste Quartal 2011 vorgelegt. Den privaten Krankenversicherungen (PKV) geben sie Anlass, die Sektkorken knallen zu lassen. Den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) treiben sie die Sorgenfalten auf die Stirn und den Befürwortern der Bürgerversicherung liefern sie neue Munition. Der Statistik zufolge sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres rund 40.000 freiwillig Versicherte (exakt 39.670) in eine PKV gewechselt. Das sind, so die Frankfurter Rundschau, 40 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. 2010 wagten lediglich 28.577 Kunden den Schritt in die private Krankenversicherung.

Profitiert von dieser Entwicklung hat hauptsächlich die Debeka. Für sie entschieden sich 14.000 Neukunden. Die übrigen PKV gaben keine Zahlen bekannt, dürften insgesamt aber recht zufrieden sein. Denn die Zahlen zeigen ganz klar: Die Gesundheitsreformen tragen erste Früchte. Dabei kommt den privaten Krankenversicherungen zugute, dass die Versicherungspflichtgrenze von 49.500 Euro inzwischen nur einmal überschritten werden muss, um die Voraussetzungen für einen Wechsel in die PKV zu erfüllen. Der Sprecher des Verbandes der privaten Krankenversicherung, Stefan Reker, sagt dementsprechend: „Es ist gut und richtig, dass die Drei-Jahres-Wartefrist wieder abgeschafft wurde. Das bringt mehr Wahlfreiheit für die Versicherten. Wir freuen uns, wenn viele Versicherte diese Freiheit nutzen, um sich für die private Krankenversicherung zu entscheiden.“

Analysten zufolge ist das erst der Anfang. Die Unternehmensberatung A.T. Kerney rechnet mit bis zu 80.000 Neukunden, die in die PKV wechseln, und spricht von einer „einmaligen Chance, einen signifikanten Sprung zu machen“. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen geht von ähnlichen Werten aus. Die Zahl der Wechsler wird hier auf 70.000 geschätzt. Damit verbunden sind enorme Folgekosten für die GKV. Die Kassen beziffern sie auf 400 Millionen Euro jährlich, die privaten Krankenversicherung mit 78 Millionen Euro. Die große Differenz begründen die PKV damit, dass junge Kunden, die jetzt eine private Versicherung abschließen, bislang kaum Leistungen in Anspruch genommen haben. Verifizieren lassen sich die Werte allerdings nicht. Gesundheitsökonom Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen, sieht diesbezüglich eine „große Datenunsicherheit“. Seiner Ansicht nach sind 250 Millionen Euro, der Wert, den die Regierung nennt, realistisch.