Abgeordnete entscheiden heute über die PID
Abgeordnete entscheiden heute über die PID

Die Mediziner testen die außerhalb des Mutterleibes entstandenen Embryonen. Wird dabei eine schwere Erkrankung oder ein genetischer Defekt festgestellt, so kann der Embryo möglicherweise "aussortiert" und nicht in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden. Mit solchen Untersuchungen können die Ärzte vor allem Krankheiten feststellen, die entweder durch überzählige oder auch zu wenige Chromosomen ausgelöst werden. Das sind in den meisten Fällen Krankheiten, die schwere Behinderungen verursachen und in vielen Fällen nicht heilbar sind. Beispiele sind das Down-Syndrom, die Bluterkrankheit, Muskelschwund oder schwere Störungen des Stoffwechsels. In der heutigen Debatte sollen die Abgeordneten des Bundestages den Streit über die PID endgültig entscheiden. Es liegen den Abgeordneten drei parteiübergreifende Entwürfe für ein neues Gesetz vor.

Zulassung der PID bei Erbkrankheiten

Der erste Entwurf will eine begrenzte Zulassung von genetischen Tests an künstlich erzeugten Embryonen zulassen. Grundsätzlich soll die PID verboten sein. Wenn aber bei einem Elternpaar eine hohe Wahrscheinlichkeit für schwerwiegende Erbkrankheiten des Kindes vorliegt, sollen die Untersuchungen erlaubt sein. Auch bei voraussichtlichen Fehl- oder Totgeburten soll die PID zur Anwendung kommen. Vor einer solchen Untersuchung muss eine Beratung stattfinden. Auch soll eine Ethikkommission ihre Zustimmung geben müssen. Es müssen bestimmte Zentren für die PID eingerichtet werden, die eine Lizenz haben müssen. Die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium Ulrike Flach (FDP) und Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (CDU) stehen für diesen Vorschlag.

PID nur bei Gefahr für Tot- und Fehlgeburten

Auch der zweite Vorschlag will die PID grundsätzlich verbieten und ebenfalls Ausnahmen zulassen. Doch in diesem Entwurf sind eben diese Ausnahmen wesentlich strenger geregelt. Dabei sollen nur Paare eine PID durchführen lassen dürfen, wenn ihre genetische Veranlagung mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Fehl- oder Totgeburt führen würde. Auch hier sollen Beratungen und das Plazet einer Ethikkommission Voraussetzung sein. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sowie Abgeordnete von SPD, Grünen und FDP unterstützen diesen noch enger eingegrenzten Vorschlag.

Dritter Entwurf will ein Verbot der PID 

Ganz ohne Ausnahmen will der dritte Vorschlag die PID gänzliche verbieten. Die Gegner der PID warnen davor, dass auf diese Weise "Designer-Babys" entstehen könnten. Die Untersuchungen können nicht nur Krankheiten aufdecken, sondern auch andere Merkmale wie das Geschlecht oder die Augefarbe aufdecken. Nach dem Entwurf sollen Ärzte, die trotz Verbot eine PID durchführen, mit einem Jahr Gefängnis bestraft werden können. Prominente Befürworter dieses Vorschlages sind Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).

Entscheidung nur nach dem eigenen Gewissen

Der CDU-Politiker Peter Hintze plädierte bei einem Gespräch mit Radiosender MDR Info für eine begrenzte Anwendung der PID. In den ersten drei Monaten sei sogar ein Schwangerschaftsabbruch gesetzlich  erlaubt. Wenn man aber den Eltern gestatten würde, einer schweren Erkrankung auszuweichen, so sei das wesentlich humaner. Dagegen sagte Katrin Göring-Eckardt in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio, dass ein Verbot für sie die richtige Entscheidung sei. Sie könne die Lage der Eltern zwar sehr gut nachvollziehen, doch die PID sei kein "Heilversprechen". Die Abgeordneten werden bei der Abstimmung nur ihrem Gewissen verantwortlich sein. Der Fraktionszwang ist aufgehoben.

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