Ärzte an kommunalen Kliniken weiter im Streik
Ärzte an kommunalen Kliniken weiter im Streik

Die zentrale Kundgebung zum Streikbeginn fand in München statt. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) zählte circa 4000 Mediziner, die an der Demonstration teilnahmen, nach polizeilichen Angaben waren es 1.800. Auf einem der Transparente stand zusammengefasst, worum es den Streikenden vor allem geht: “Nachts gibt es uns um die Hälfte, am Wochenende umsonst.“ MB-Chef Rudolf Henke sagte: “Die Krankenhäuser werden auf Wochenendniveau heruntergefahren.” Notfälle werden versorgt und dringende Operationen ebenfalls ausgeführt. Doch alle Untersuchungen oder Eingriffe, die planbar und damit nicht ungedingt sofort nötig sind, werden aufgeschoben. Im diesen Tagen muss man sich in den Krankenhäusern auf längere Wartezeiten einstellen. Wenn es möglich ist, so der Marburger Bund, sollen Patienten sich in Universitätskliniken, privaten oder kirchlichen Krankenhäusern behandeln lassen.

Ausweitung

Die Folgen des Streiks waren bereits gestern in vielen Kliniken zu spüren. Im Nordrhein-Westfalen war fast die Hälfte der kommunalen Kliniken betroffen, und auch in Baden-Württemberg wurden von 80 Krankenhäusern rund 40 bestreikt. Der Marburger Bund erwartet, dass in Bayern zwei Drittel der Ärzte an den entsprechenden Kliniken dem Streikaufruf gefolgt sind. In Hessen sollen am Montag rund 700 Ärzte die Arbeit niedergelegt haben. In Berlin und Hamburg gibt es spezielle Tarifabschlüsse, so dass hier kein Krankenhaus betroffen ist.

Rechtfertigung

Die Ärztegewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Gehalt. Der Streik wurde aktuell, als die Arbeitgeber 2,9 Prozent angeboten haben und die Bereitschaftsdienste besser entlohnen wollten. Doch das war den Medizinern nicht genug. Rudolf Henke verlangt von den Arbeitgebern, dass sie für die Klinikärzte bessere Arbeitsbedingungen schaffen. Es gibt bundesweit 5.000 unbesetzte Stellen, und in den nächsten Jahren werden rund 1.000 Ärzte das Rentenalter erreichen. Die gesamte Situation könnte zu Engpässen in der medizinischen Versorgung führen. Auch auf diesem Hintergrund, so Henke, seien die Forderungen der Ärzte keinesfalls überzogen.

Ungleichgewicht

Der Ärztestreik löst allenthalben Unmut und Kritik aus. Der Deutsche Städtetag forderte die Weiterführung der Verhandlungen. Die Streiks seien völlig unnötig, denn ein Angebot mit Gehaltsanhebungen liege vor. “Der Tarifkonflikt darf nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden”, mahnt der Hauptgeschäftsführer des Städtetages, Stephan Articus. Es gäbe zudem die Gefahr, dass durch große Tariferhöhungen auf anderen Gebieten gespart oder bei Investitionen gekürzt werden müsse.

Privilegien

Der Verhandlungsführer des Verbandes der kommunalen Arbeitgeber, Joachim Finklenburg, hält die Forderungen der Ärzte für nicht akzeptabel. Mit einem durchschnittlichen Gehalt von 76.000 Euro jährlich gehören sie seiner Ansicht nach bereits zu den besser gestellten Berufsgruppen. Die jetzigen Forderungen könnten die Kliniken wieder in eine wirtschaftlich instabile Position bringen. Die letzte finanzielle Unterstützung des Bundes in Milliardenhöhe ist gerade zwei Jahre her.

Genug ist genug

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft kann dem Ärztestreik nichts Positives abgewinnen. Hauptgeschäftsführer Georg Baum meint, es gebe für diesen Streik wirklich keinen Grund. Die Klinikärzte hätten in den letzten Jahren sehr hohe Zuwächse ihrer Bezüge erlebt. Das könne kaum eine Berufsgruppe vorweisen. “Wenn nun für ein weiteres Plus von fünf Prozent linear und 35 Prozent höhere Bereitschaftsdienstbezahlung gestreikt wird, ist dies inakzeptabel und von den Kliniken nicht bezahlbar.” 

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