Ärzte unterstützen Röslers Vorhaben zur Vorkasse in der Praxis
Ärzte unterstützen Röslers Vorhaben zur Vorkasse in der Praxis

In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gilt bisher fast ausschließlich das Sachleistungsprinzip. Philipp Rösler will die Kostenerstattung, eigentlich eine Domäne der privaten Krankenversicherung, stärker in die GKV einbringen. Im nächsten Jahr soll zunächst eine große Reform der ärztlichen Honorare den Boden für die geplanten Änderungen bereiten. Denn erst nach einer solchen Reform könne ein System zur Abrechnung mit den Patienten aufgebaut und etabliert werden, sagte Rösler. Es sollen gesetzliche Änderungen dafür sorgen, dass die Kostenerstattung attraktiver wird. Bisher gibt es zwar Wahltarife zur Kostenerstattung, die allerdings kaum genutzt werden. Sie haben finanzielle Nachteile für die Versicherten. Das soll sich ändern, damit mehr gesetzlich Krankenversicherte den Arzt gegen Rechnung bezahlen und sich das Geld von ihrer Krankenkasse erstatten lassen.

Ärzte wollen Kostenerstattung

Die niedergelassenen Ärzte befürworten den Röslerschen Vorstoß. Sie stehen hinter dem Gesundheitsminister und seinen Plänen. Anlässlich der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am 01. Oktober in Berlin bezeichnete der KBV-Vorsitzende Andreas Köhler die Kostenerstattung als einen “tiefgreifenden, aber unerlässlichen Schritt”. Nur auf diese Weise könnten die Ausgaben transparenter gemacht und besser kontrolliert werden. Die Ärzte befürworten die Kostenerstattung, eine prozentuale Eigenbeteiligung oder beide Regulierungsmechanismen in Kombination.

Vorkasse kann Arztbesuche begrenzen

Die Zusatzbeiträge sind nach Ansicht Köhlers nicht dazu geeignet, die Zahl der Arztbesuche zu verringern, denn die müssten von allen Versicherten gezahlt werden. “Ohne eine stärkere Selbstverantwortung der Versicherten bekommen wir unser zentrales Problem, nämlich den Spagat zwischen einer begrenzten Geldmenge und einer unbegrenzten Nachfrage nach ambulanten Leistungen, nicht in den Griff,” machte Andreas Köhler den Standpunkt der Ärzte klar. “Nur dann wird es gelingen, von der hohen Zahl der Arztbesuche im Jahr herunterzukommen.“ Die Kostenerstattung müsse aber sozial verträglich gestaltet werden.

Krankenkassen gegen Vorkasse in der Praxis

Die gesetzlichen Krankenkassen sehen diese Entwicklung mit wachsender Besorgnis. “Wenn man jetzt hört, wie laut jetzt die Ärztevertreter nach der Kostenerstattung rufen, dann müssen alle Alarmglocken läuten,” so Florian Lanz, der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes. Der Verband lehnt Vorkasse und Kostenerstattung strikt ab. Auch der Vizechef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, lehnt die Pläne des Gesundheitsministers ab. In einem Gespräch mit der Bild-Zeitung sagte er, dass die Vorkasse in der Praxis kein einziges Problem lösen könne. “Sie verunsichert die Patienten und bringt mehr Verwaltungsaufwand bei allen.”