Wird es in Deutschland künftig weiter ein duales Gesundheitssystem geben oder nicht? Branchenexperten und Politiker bleiben über diese zentrale Frage uneins. Der hessische Ärztekammerpräsident, Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, betonte kürzlich, dass ohne die private Krankenversicherung die gesetzliche Krankenversicherung mit höherem Tempo ihrem Kollaps entgegensteuere. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr erachtet es als notwendig, dass das Gesundheitssystem vielfältig bleibt, sieht für die Zukunft der PKV allerdings auch einen gewissen Nachholbedarf. Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rolf Rosenbrock forderte dagegen mit harschen Worten das Ende des Systemwettbewerbers der GKV. In einem Interview stellte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Dr. Doris Pfeiffer, mit Bezug auf ein mögliches Ende der privaten Krankenvollversicherung fest: „Ich schließe nicht aus, dass sich das im Lauf der Zeit von selbst ergibt.“ Für die PKV-Unternehmen gilt es jetzt eine konkrete Richtung einzuschlagen. Allianz-Finanzchef Oliver Bäte konstatiert für sein Unternehmen eine ganz klare Tendenz pro private Zusatzversicherung.

Allianz: Private Krankenvollversicherung rückläufig

Auf diesem Sektor sieht das Unternehmen spezielle neue Versicherungsangebote vor, etwa für Krebsbehandlungen. Während das Geschäft mit den privaten Zusatzversicherungen “sehr stark” wachse, seien bei der Allianz Krankenversicherung im Bereich private Krankenvollversicherung rückläufige Quoten festzustellen, so der Finanzchef Oliver Bäte. Dies geschehe “wie geplant und zu erwarten”, unterstreicht Bäte mit Bezug auf die aktuell vorgestellten Quartalszahlen der Allianz.

Hoher Bedarf bei privaten Zusatzversicherungen

Gegen die private Krankenvollversicherung sprächen laut dem Allianz-Finanzchef die gegenwärtig alles andere als günstigen politischen Rahmenbedingungen, die damit verbundene mangelnde Attraktivität für Versicherte sowie die Tatsache, dass in diesem Bereich eine Vielzahl an PKV-Unternehmen um eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Kunden konkurrieren würde. Des Weiteren wolle man sich an dem hinlänglich diskutierten Wettbewerb bei den Vermittlerprovisionen nicht beteiligen, ergänzt Bäte. Im Bereich private Zusatzversicherung sei dagegen nicht nur ein großes Wachstum sondern auch einen entsprechend “hoher Bedarf” zu konstatieren. Dies gelte beispielsweise für spezielle Themen wie Krebs.

Sinkender operativer Gewinn bei PKV

Laut Medienberichten muss die Allianz im Zusammenhang mit der Schuldenkrise einen Rückgang des operativen Gewinns bei den privaten Krankenversicherungen und Lebensversicherungen hinnehmen. Demnach sank der operative Gewinn um ein Fünftel auf eine Summe von 520 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr weist allein die Allianz PKV ein im Vergleich zum Vorjahr um 19 Millionen Euro geringeres operatives Ergebnis aus. Nach neun Monaten des aktuellen Jahres stand ein operatives Ergebnis von 105 Millionen Euro zu Buche.

Kommentare