AOK-Chef Graalmann zieht Netzgebühr für PKV in Erwägung
AOK-Chef Graalmann zieht Netzgebühr für PKV in Erwägung

Der Grund für diese Forderung ist der zunehmende Mangel an Ärzten auf dem Land und in den städtischen sozialen Brennpunkten. In einem Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse" sagte Jürgen Graalmann: "Die privaten Kassen unterstützen unser Gesundheitssystem nicht, sie blockieren derzeit eher eine sinnvolle regionale Verteilung der Ärzte." AOK-Chef Graalmann erklärt seine Ansicht so: Fachärzte nehmen ihre Arbeit in den meisten Fällen dort auf, wo es sehr viele Patienten mit einer PKV-Police gibt. Doch die Verträge der PKV würden auch in Gebieten angeboten, deren Struktur als eher ländlich zu bezeichnen ist. Dort bauen nur wenige Fachärzte ihre Praxen auf. In solchen Gebieten sei es aber die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), die grundsätzlich die Menschen medizinisch versorge. Aus diesem Grund sei es durchaus angebracht, über die Einführung einer Netzgebühr für die PKV nachzudenken.

Graalmann vertritt die Meinung der AOK

Die "Ärzte Zeitung" hat beim GKV-Spitzenverband nachgefragt, wie man dort den Vorstoß des AOK-Chefs beurteilt. Graalmann habe sich als Vorsitzender des AOK-Bundesverbandes geäußert und seine Meinung dargestellt. Der Spitzenverband diskutiere keine Versorgungsabgabe für die PKV. Mit der Stellungnahme des Verbandes wird deutlich, dass die Vorschläge Jürgen Graalmanns nicht grundsätzlich zurückgewiesen werden. Lediglich zehn Prozent der deutschen Bevölkerung sind privat krankenversichert. Mit einer solchen Basis ist es nach Ansicht des GKV-Spitzenverbandes nicht möglich, eine bundesweite medizinische Versorgung aufzubauen und sicherzustellen.

Gesundheitsminister proklamiert völlige Transparenz    

Das Thema Gesundheitssystem und seine mögliche neue Ausrichtung nach der Bundestagswahl beschäftigt nicht nur die die Vertreter von GKV und PKV. Auch die Politik muss sich positionieren und ihre Vorstellungen der zukünftigen medizinischen Versorgung darstellen. So hat Gesundheitsminister Daniel Bahr in letzter Zeit immer wieder mehr Transparenz, mehr Wettbewerb und vor allem Durchlässigkeit gefordert. Es sollte seiner Ansicht nach möglich sein, die Altersrückstellungen in der PKV bei einem Wechsel innerhalb der PKV mitzunehmen. Bei einen Wechsel in die GKV gehen die Rückstellungen verloren. Nach der Wahl will Bahr die völlige Wechselfreiheit angehen. Die PKV wehrt sich natürlich gegen solche Pläne.

PKV pocht auf vertragliche Rechte   

Die Vertragsfreiheit darf nicht angetastet werden. Weiter muss die Stabilität der Berechnungsgrundlagen auf alle Fälle erhalten bleiben, argumentieren die privaten Krankenversicherer. Der Sprecher des PKV-Verbandes, Stefan Reker, macht die Position der Branche deutlich: "Für alle rund 900.000 neu geschlossenen Verträge nach der Gesetzesänderung ab 2009 ist einkalkuliert, dass beim Wechsel ein Übertragungswert in Höhe des Basistarifs mitgenommen werden kann", sagt Stefan Reker. Vor diesem Zeitpunkt gab es gar keine Mitnahme der Altersrückstellungen.

Keine Veränderung bestehender Tarife    

Die Mitnahmen der Rückstellungen, die beim Basistarif angespart wurden, fließen in die Kalkulation der Beiträge ein. Wenn diese vertraglich festgelegte Grundlage nun verändert wird, so werden frühere Berechnungen obsolet. Verträge müssen aber  sicher sein. Es sei nicht möglich, dass durch Veränderungen im Nachhinein die Grundlagen bereits bestehender Tarife in Frage gestellt würden. Allgemein hält Reker die Mitnahme der Rückstellungen für fraglich. Die Forderung von der 100-prozentigen Mitnahme der Altersrückstellungen hält er für utopisch. Es gibt kein realistisches Konzept für diese Mitnahme, "sondern allenfalls akademische Modelltheorien", sagt Reker.