AOK will in das Geschäft mit Zusatzversicherungen einsteigen
AOK will in das Geschäft mit Zusatzversicherungen einsteigen

Seit der letzten Gesundheitsreform der großen Koalition hörte der Streit um Wahltarife und Zusatzversicherungen nicht auf. Nach dieser Reform war es den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) erlaubt, Wahltarife und Zusatzversicherungen in einem bestimmten Ausmaß anzubieten. Die Politiker der CDU/CSU zeigten im Grunde wenig Begeisterung über diese Entwicklung. Auch die privaten Krankenversicherer wehrten sich heftig gegen die Ausweitung des Tätigkeitsbereiches der GKV. Immerhin waren solche Krankenzusatzversicherungen bis dahin die Domäne der privaten Krankenversicherung (PKV). Noch in der letzten Anhörung zur Gesundheitsreform 2011 wiesen die Experten darauf hin, dass Zusatzversicherungen in die Hände der privaten Krankenversicherung gehören. Doch die schwarz-gelbe Regierungskoalition folgte den Einwänden und Appellen nicht und ließ das zusätzliche Geschäft für die gesetzlichen Krankenkassen zu, allerdings mit klaren und verstärkten Auflagen.

Zusammenarbeit mit privatem Partner aufgekündigt  

Bisher konnten Zusatzversicherungen nur in Zusammenarbeit mit einer privaten Krankenversicherung vertrieben werden. Seit dem Jahr 2004 arbeitet die AOK mit der Deutschen Krankenversicherung (DKV) zusammen. Diese Partnerschaft wird nun beendet. Bestehende Verträge behalten ihre Wirksamkeit, jedoch wird es keine weiteren Kooperationen geben. Wenn alle AOKen zusammen nun Zusatzversicherungen anbieten, so kann das große Veränderungen auf dem Markt verursachen. Denn immerhin sind 23 Millionen Menschen bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen krankenversichert, ein sehr markrelevantes Potential.

Zusatzversicherungen im Alleingang  

Die AOK Rheinland/Hamburg hat bereits vor ungefähr drei Jahren ihr Angebot erweitert. Dort sind inzwischen rund 200.000 Krankenzusatzversicherungen abgeschlossen worden. Der weitaus größte Anteil davon waren Reisekrankenversicherungen, doch auch andere Policen hatte AOK-Chef Wilfried Jacobs im Angebot: Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus oder Zahnersatztarife konnten sich die Versicherten ohne Gesundheitsprüfung sichern. In vielen Fällen sind diese Angebote günstiger zu haben als entsprechende Zusatzversicherungen der privaten Anbieter. Nun wollen andere AOKen auch ohne die Unterstützung der privaten Krankenversicherer ihre zusätzlichen Angebote vermarkten. “Das können wir selbst und zwar besser,” drückte ein AOK-Funktionär das neue Selbstbewusstsein aus.

Vorboten für die zusätzliche Pflegeversicherung

Die bundesweite Ausweitung der Zusatzversicherungen könnte ein Test sein. Im kommenden Jahr steht die Reform des Pflegebereiches an. Gesundheitsminister Philipp Rösler strebt eine neue Finanzierung der Pflegeversicherung an. Er hat bereits klar gemacht, dass es ihm dabei um eine zusätzliche Pflegeabsicherung geht. Der Gedanke ist, dass die Versicherten bei einer privaten Versicherung eine Zusatzversicherung für den Pflegefall abschließen sollen. Auch hier haben die privaten Krankenversicherer schon eine Option auf ihre Zuständigkeit verlangt, ihre breite Erfahrung betont und natürlich auf eine lohnende Unterstützung ihrer Geschäfte gehofft.
 
Durch die Ausdehnung des Geschäftes mit den Zusatzversicherungen könnte die AOK auch diesen Aspekt im Visier haben. Der Test könnte darauf ausgerichtet sein, sich auch für einen neu gestalteten und innovativ finanzierten Pflegebereich zu empfehlen. Das kann für die AOK vor allem dann sehr interessant werden, wenn die geplante Zusatzversicherung für alle Versicherten verpflichtend gemacht werden sollte.

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