Barmer GEK-Chefin Fischer fordert Nullrunde für Hausärzte
Barmer GEK-Chefin Fischer fordert Nullrunde für Hausärzte

Fischer betonte: Nach den Milliarden-Steigerungen für die niedergelassenen Ärzte in den vergangenen Jahren dürfe es in diesem Jahr keinesfalls weitere Honorarerhöhungen geben. Die Ärzte müssten sich auf eine Nullrunde einstellen, so die Barmer GEK Vorsitzende. Sie kritisierte besonders die aktuellen Hausarztverträge, denn die momentanen Verhandlungen dieser Verträge würden auf eine reine Honorar-Steigerung für Ärzte hinauslaufen. Sie fordere aber Qualitätsverbesserungen für die Versicherten, betonte Fischer. Nach Ansicht der Barmer GEK-Chefin müssten die Hausärzte daher vielmehr als Lotsen im deutschen Gesundheitssystem fungieren.

Praxisgebühr keine Lösung

Aus Sicht des Vorstandes der Barmer GEK kann die Praxisgebühr nicht der Ausweg aus der finanziellen Krise des Gesundheitssystems sein. Trotz Einführung der Gebühr sind die Zahlen der überflüssigen Besuche bei Fachärzten und die damit verbundenen immensen Kosten nicht zurückgegangen. Eine Studie zeigte auf: Im vergangenen Jahr hatte ein gesetzlich Versicherter durchschnittlich Achtzehnmal einen niedergelassenen Hausarzt besucht. Fünf Jahre zuvor hatten diese Versicherungsnehmer im Durchschnitt zwei Arztbesuche weniger wahrgenommen.

Vizepräsident der Barmer GEK Rolf-Ulrich Schlenker machte darauf aufmerksam, dass diese Entwicklungen auf einen Drehtüreffekt und Doppeluntersuchungen schließen würden. Die Wirkung der Praxisgebühr sei daher fraglich und die grundsätzlich sinnvolle hausarztzentrierte Versorgung stecke dadurch in der Sackgasse, kritisierte Schlenker. Nun plädierte die Barmer GEK dafür, die Hausarztverträge zu reformieren.

Hausarztvertrag soll Kosten sparen

Der Hausarztvertrag ist Bestandteil des aktuellen Hausartzmodells. Dieses Abkommen zwischen Arzt und Patient sieht vor, dass der Versicherte zunächst immer seinen Hausarzt aufsuchen muss, bevor eine Überweisung zum Facharzt erfolgt. Der Hausarzt ist damit stets erster Ansprechpartner und hat die Aufgabe, für den Patienten bei Bedarf einen geeigneten Facharzt zu finden. Er legt hierfür eine Dokumentation aller Befunde und Therapien an, sodass im medizinischen Ernstfall eine schnelle und gezielte Vorgehensweise ermöglicht wird. Durch die gezielten Überweisungen sollen vor allem auch Kosten und medizinische Ressourcen eingespart werden.

Um die neue Funktion effektiv erfüllen zu können, haben sich die Hausärzte zu einer besonderen Qualifikation verpflichtet, welche vertraglich geregelt ist. Zudem müssen regelmäßige Fortbildungen wahrgenommen werden. Die Teilnahme am Hausarztmodell ist freiwillig, jedoch können Beteiligte durch ihre Kasse Vergünstigungen wie Prämien oder Zuzahlungsermäßigungen erhalten.

SPD fordert Hausarztvertrag für alle Versicherten

Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD forderte hingegen eine Verpflichtung zum Abschluss des Hausarztvertrages für alle Versicherten. Jeder dritte Besuch beim Arzt sei überflüssig, so Lauterbach. Man bräuchte ein Hausarztsystem für alle Versicherten denn nur so könnten die Fachärzte von überflüssigen Besuchen entlastet werden, betonte der SPD-Sprecher.