Barmer GEK Chefin: Heftige Kritik an Röslers Gesundheitspolitik
Barmer GEK Chefin: Heftige Kritik an Röslers Gesundheitspolitik

Mit den 8,5 Millionen Versicherten und fast 20.000 Mitarbeitern hat das Wort von Birgit Fischer großes Gewicht. Sie tritt für einen Wandel in der Gesundheitspolitik ein, in dem die gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr nur einfach Zahler sein wollen. Man will mitmischen und eigene und innovative Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand bekommen. Gleichzeitig kritisiert Frau Fischer die neue Gesundheitspolitik der schwarz-gelben Koalitionsregierung. Ein Systemwechsel zu einer Kopfpauschale sei „unfinanzierbar und ungerecht“. Die gesundheitspolitische Umkehr würde für 60 Prozent der gesetzliche Versicherten höhere Belastungen bringen. Insgesamt gesehen bedeute die Realisierung dieser Pläne die „Verabschiedung aus dem Solidarsystem“.

Keine klaren Konturen  

Birgit Fischer betrachtet die Einführung einer Kopfpauschale als „Rückwärtstrend“. Sobald sich die Krankenkassen durch Pauschalen finanzieren, die unabhängig vom Einkommen erhoben werden, bedeute das die Abhängigkeit vieler Versicherter von einem Sozialausgleich. Es gäbe Millionen von „Bittstellern“. Außerdem müsse dann aus Steuergeldern jährlich rund 35 Milliarden Euro in das Gesundheitssystem fließen. Derartige Leistungen sind nach Ansicht der Barmer GEK-Chefin kaum zu erbringen. Auch vermisst Frau Fischer eine klare Linie in der Gesundheitspolitik. „Die politischen vagen Ankündigungen vernebeln eher die weitere Entwicklung, als dass sie in irgendeiner Weise Klarheit schaffen.“

Unverantwortliche Sozialpolitik  

Holger Langkutsch ist der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Barmer GEK. Er sieht das Einfrieren des Arbeitgeberanteils zur Krankenversicherung sehr kritisch. Er hält solche Vorhaben für sozialpolitisch verfehlt, für ein „verheerendes Signal“. Die Unternehmen dürften nicht aus ihrer Mitverantwortung genommen werden. Die gesetzliche Krankenversicherung hat einen Gesamtetat von 170 Milliarden Euro. Holger Langkutsch gibt zu bedenken, dass der Anteil, den die Arbeitgeber aufbringen müssen, ohnehin bereits nur noch 38 Prozent beträgt.

Größe gleich Macht

Birgit Fischer verspricht sich mehr Autorität und Einfluss durch den Zusammenschluss der beiden Krankenkassen, die oft als „Elefantenhochzeit“ bezeichnet wurde. Die Fusion von BEK und GEK hat eine neue Großkrankenkasse mit einem Marktanteil zwischen 10 und 15 Prozent geschaffen. Damit hat sich die neue Barmer GEK einen wichtigen Platz innerhalb der 30 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland erobert. Frau Fischer will diese Position dazu nutzen, „die Versorgungslandschaft in Deutschland aktiv und nachhaltig zu gestalten“. Die Größe einer Krankenkasse ist wichtig, damit sie als Verhandlungspartner erfolgreich agieren kann. „Gestaltungskraft hängt davon ab, wie viel Gewicht eine Kasse in die Waagschale werfen kann.“

Für Mitglieder

Die Versicherten der beiden Krankenkassen sollen nur Vorteile aus der Fusion haben. So gelten nun die Rabattverträge beider Krankenkassen für alle Versicherten, so dass mehr Medikamente billiger werden. An den besonderen Leistungen wird nichts gestrichen. Die ehemaligen Mitglieder der GEK können nun auch beispielsweise Wahltarife oder Leistungen zu Prävention der Barmer nutzen und umgekehrt. Die Leistungspalette soll erweitert werden: Homöopathie, Hautkrebsuntersuchungen oder Vorsorgeuntersuchungen für Kinder sollen die Angebote der Barmer GEK ergänzen.

Mittelpunkt Patient

Wichtig für die Vorsitzende der Barmer GEK ist aber vor allem der steigende Einfluss, den eine große und mitgliederstarke Krankenkasse auch auf die Politik haben kann. So muss es vorrangig darum gehen, die medizinische Versorgung der Menschen zu verbessern. Deshalb macht Birgit Fischer der Gesundheitspolitik den Vorwurf, dass sie sich zu einseitig auf die Finanzierung und deren Reform in der gesetzlichen Krankenversicherung fokussiert. Die Belange der Patienten und ihre adäquate Versorgung seien mindestens genau so wichtig.