BdV will mehr Verbraucherrechte bei PKV-Wechsel
BdV will mehr Verbraucherrechte bei PKV-Wechsel

Nach § 204 Absatz 1 des Versicherungsvertragsgesetzes hat jeder Kunde in der PKV das Recht in einen anderen Tarif desselben Versicherers zu wechseln, sofern der neue Tarif einen gleichartigen Schutz bietet. Der Vorteil: Anders als bei einem Wechsel des Anbieters gehen bisher angesparte Altersrückstellungen nicht verloren. PKV-Anbieter sind zudem dazu verpflichtet Kunden über 65 Jahren Alternativen zum bestehenden Versicherungsschutz anzubieten. Jüngere Versicherte sind dagegen auf sich allein gestellt. Diese Tatsache will der Bund der Versicherten (BdV) nun ändern und fordert auch in niedrigeren Alterskohorten eine Informationspflicht für private Anbieter. Hintergrund: Schon öfter wurde öffentlich, dass einige Krankenversicherer aus Sorge um Prämieneinbußen einige Optionen zum PKV-Wechsel verschweigen.

Systematische Verzögerung des Tarifwechsels

“Wir haben immer wieder Fälle von Versicherten, die über Wochen und Monate versuchen, in einen anderen Tarif zu kommen”, erklärt BdV-Justiziar Hajo Köster gegenüber der “Financial Times Deutschland”. Vermehrt berichten Kunden, dass die Versicherer auf ihre Schreiben nicht reagieren oder nicht zurückrufen. Außerdem komme es auch vor, dass die Unternehmen Kunden vor angeblich drohenden Nachteilen wie einer Verschlechterung des Versicherungsschutzes warnen.

BdV fordert umfassendere Pflichten der Versicherer

“Eines unserer Mitglieder ist fast ein Jahr lang hingehalten worden”, berichtet Köster weiter. Nicht immer dauert es so lange, aber vier bis fünf Monate Wartezeit sei die Regel. Das Verhalten der PKV-Anbieter habe System, vermutet der Justiziar: Die Unternehmen versuchen auf diese Weise, die Versicherten von ihrem Vorhaben abzubringen. Daher fordert der BdV nun einen Gesetzestext, indem klar geregelt ist, dass die Versicherer ihre Kunden von sich aus über das Wechselrecht informieren – und gleichzeitig passende Alternativen vorschlagen müssen. In den Augen des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV) besteht in diesem Zusammenhang allerdings kein Nachholbedarf in der Branche: “Die Rechtslage ist eindeutig. Unsere Unternehmen halten sich an die gesetzlichen Vorgaben”, hieß es in einer Stellungnahme des Verbands.

BdV: Neue Dienstleistung in Planung

Aus gegebenem Anlass will die Verbraucherschutzorganisation nun einen neuen Service schaffen, bei dem Verbraucher künftig bei einem geplanten Tarifwechsel unterstützt werden sollen. Der BdV will seine Dienstleistung allerdings zu einem Festhonorar, aber zu “günstigen Bedingungen” anbieten, heißt es weiter. Denn: Die Beteiligung eines Anbieters an den erzielten Einsparungen könnte falsche Anreize setzen, so das Fazit Kösters.