Bewilligung von Mutter-/Vater-Kind-Kuren wird transparent
Bewilligung von Mutter-/Vater-Kind-Kuren wird transparent

Es hat in der Vergangenheit immer wieder Klagen über die Mutter-/Vater-Kind-Kuren gegeben. Oft wurden die beantragten Maßnahmen nicht bewilligt. Dabei hatte der Gesetzgeber die Kuren im Zuge der Gesundheitsreform 2007 als Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) etabliert. Wenn die nötigen sozialmedizinischen Voraussetzungen erfüllt sind, übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Doch wie immer war auch hier die Theorie grau, und die praktische Umsetzung war oft eher mangelhaft. In den Jahren 2007 und 2008 stiegen die Ausgaben für die Kuren zunächst an, um in den Folgejahren wieder deutlich zurückzugehen. Deshalb hatte der Gesundheitsausschuss des Bundestages im vergangenen Jahr die Art und Weise der Bewilligung für die Kuren kritisiert. Es gebe Anzeichen für erhebliche Defizite. Nun hat der GKV-Spitzenverband und sein Medizinischer Dienst (MDS) die Begutachtungsrichtlinie "Vorsorge und Rehabilitation" überarbeitet.

Bewilligung war bisher nicht ausreichend

Gesundheitsminister Daniel Bahr hat bei der Vorstellung der Beratungsergebnisse den hohen Stellenwert der Mutter-/Vater-Kind-Kuren betont. Sie seien ein wichtiger Baustein für Prävention und Rehabilitation. "Ich erwarte von den Partnern, dass die Überarbeitung zu einer spürbaren Verbesserung der Bewilligungspraxis der gesetzlichen Krankenkassen im Sinne der betroffenen Mütter und Väter beiträgt", betont Minister Bahr. Denn dabei lag bisher einiges im Argen.

Konkrete Angaben von Gesundheitsproblemen

Eine große Anzahl von Kuren wurde mit der Begründung abgelehnt, dass man sich nach dem Prinzip "ambulant vor stationär" zu richten habe. Die überarbeitete Richtlinie stellt nun klar, dass dieses Prinzip bei den Kuren keine Geltung hat. Es müssen nicht alle ambulanten Maßnahmen erfolgt sein, damit eine Kur genehmigt werden kann. Zudem wurden die neu gefassten Richtlinien durch konkrete Angaben und Kriterien erweitert, die Hilfe bei der Entscheidung bieten. In der Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbandes heißt es: "In der Begutachtungs-Richtlinie werden zudem Faktoren, die häufig gesundheitliche Störungen bei Müttern und Vätern hervorrufen, wie z. B. ständiger Zeitdruck oder Partner-/Eheprobleme, konkret beschrieben." So sollen die individuellen Belastungen besser in das Verfahren zur Genehmigung einer Kur einfließen.

Breite Grundlage für eine Mutter-/Vater-Kind-Kur

Weiter soll die konkrete Benennung von einzelnen gesundheitlichen Problemen wie das Erschöpfungssyndrom, Gefühle von Unruhe und Angst sowie Schlafstörungen zu einer genauen Beurteilung führen. Auch die Auswirkungen einer für Mütter und Väter typischen Mehrfachbelastung durch Beruf und Familie sollen bei der Bewilligung einer Kur in Betracht gezogen werden. Für die Ministerin für Familie, Senioren Frauen und Jugend, Dr. Kristina Schröder (CDU), ist die Änderung der Richtlinie ein "bedeutender Schritt". "Kranke oder von Krankheit bedrohte Eltern dürfen zukünftig wieder Hoffnung in eine bedarfsgerechte Antragsbearbeitung setzen."

Begründung muss durchschaubar sein  

Damit soll der Anspruch der gesetzlich Krankenversicherten auf Vorsorge und Rehabilitation besser realisiert werden können. Von den Voraussetzungen zur Bewilligung bis hin zur Beschreibung von Inhalten und Zielen der Maßnahmen soll die Richtlinie vor allem im Sinne der Versicherten angewandt werden. Die Bewilligung soll transparent und nach einheitlichen Grundsätzen geschehen. Der GKV-Spitzenverband macht seinen Standpunkt klar: Die Entscheidungen der Krankenkassen sollen mit "aussagekräftigen und nachvollziehbaren Begründungen betroffen werden".